Daniel Schwefel: Keine Extras für den Junior!

Generationswechsel schmerzen. Immer. Anders als bei der Salongründung auf der grünen Wiese führt für den Junior der Weg in die Selbstständigkeit zwangsläufig durch das Brennglas familiärer Strukturen. Daniel Schwefel aus Wriezen hat die Brücke zwischen Tradition und Neuanfang erfolgreich und gestärkt passiert. Und das trotz eines erwartungsschwangeren Schwergewichts im Rucksack: „Im Herzen Friseur seit 1797“ lautet der Slogan des Unternehmens „Schwefel Friseure“, das Daniel heute in der 7. Generation führt. Fmfm im Interview mit dem visionären Unternehmer, der als „junger Wilder“ dennoch das Sparring mit seinem Vater liebt.

Friseur in der 7.(!) Generation: Daniel Schwefel mit Vater Peter Schwefel

Friseur in der 7.(!) Generation: Daniel Schwefel mit Vater Peter Schwefel © Schwefel Friseure

Daniel, den Salon der Eltern zu übernehmen, ist immer ein Pfund. Aber das Ganze in der 7. Generation zu machen, ist die Königsklasse. Erzähl, wie kam es bei euch dazu?

Daniel: Ich bin ja in einer Friseurfamilie aufgewachsen. Und zum Glück wurde bei uns immer gut über den Beruf geredet. Klar gab es auch Probleme – das ist in jedem Unternehmen der Fall. Aber die guten Seiten haben in den Erzählungen dennoch überwogen. Daher habe ich nach der Schule recht motiviert eine Friseurlehre in einem anderen Betrieb begonnen. Nach 1 ½ Jahren Lehrzeit war mir damals aber klar: Den Job will ich nicht mehr! In meinem Ausbildungsbetrieb durften Azubis damals nur putzen und Herrenhaarschnitte machen. Wenn wir an andere Aufgaben gelassen wurden, waren wir hoffnungslos überfordert. Ich ging also zu meinen Eltern und sagte, dass ich abbrechen würde.

Tradition verpflichtet. Oder nicht?

Holpriger Start

In einer Friseurdynastie ist das doch ein Sakrileg, oder?

Daniel: Meine Eltern haben damals super reagiert. Sie boten mir an: Bevor du ganz aufhörst, teste uns doch mal an. Als ich mich darauf eingelassen habe, haben sie einen Trick angewendet, den ich nur empfehlen kann: nicht sie selbst waren meine Ausbilder, sondern sie haben einen Mitarbeiter dafür instruiert. Er war mein Ansprechpartner, bildete mich aus und kontrollierte das Gelernte. Meine Eltern gaben nur den Input, welche Inhalte gerade relevant waren.

Ok. Aber dieser Mitarbeiter wusste doch sicher, dass du vermutlich sein kommender Chef sein würdest. Da geht man doch sicher mit Samthandschuhen ran, oder?

Daniel: Genau das Gegenteil war der Fall! Meine Eltern haben ihm gesagt, dass er mich härter als alle anderen behandeln sollte. Ich sollte keine Extrawurst als Sohn der Chefs bekommen. Und das hat er gemacht. Es wurde sofort ein Gang hochgeschaltet.

Bühnenshow: Daniels eigene Handschrift

Keine Extrawurst!

Was genau meinst du?

Daniel: Während zum Beispiel alle anderen Azubis Überstunden aufschreiben konnten, durfte ich das nicht. Das Argument: „Das kannst du später als Selbstständiger auch nicht!“ Meine Modelle musste ich nach Feierabend schneiden. Ich lernte schnell Haare zu schneiden, Farbe zu machen und bereitete mich nebenbei auf die Prüfung vor. Zu dieser Zeit begann mir der Job Spaß zu machen. Es war sehr anstrengend, weil meine Eltern die verlorene Zeit reinholen wollten. Mit Erfolg. Nach der Gesellenprüfung war ich dann beim Bund und arbeitete aber nach Feierabend immer noch 2 Stunden als Geselle im Salon. Eine harte Schule.

Und trotzdem hast du Feuer gefangen und Lust bekommen, ins Traditionsunternehmen deiner Eltern einzusteigen?

Daniel: Ja, und zwar sehr! Ich habe dann mit 24 Jahren den Meister gemacht, und ab dem Zeitpunkt haben wir ganz klar die Arbeitsgebiete aufgeteilt: ich war für den fachlichen Bereich zuständig, mein Vater für den wirtschaftlichen. So konnte jeder in seiner Materie das Beste rausholen. Meine Eltern ließen mich machen und konnten dennoch kontrollieren, ob ich das packte oder nicht. 2008 war meinem Vater dann klar: „Ich glaube, du kannst alles machen.“ Ab diesem Moment haben wir eine GbR gegründet.

Die Familien-Historie als Vorbild

Geschichte lehrt

Was genau heißt das? Welcher Teil der Unternehmenstradition war erhaltenswert, welcher überholt und nicht mehr zeitgemäß?

Daniel: Die Lohnberechnung mit einer leistungsbezogenen Vergütung war zum Beispiel ein Erfolgsmodell meiner Eltern. Das habe ich beibehalten. Erst jetzt beginnen wir das umzustellen. Erneuert habe ich zum Beispiel das Kassensystem. Das brachte mir einen klaren Blick auf die Zahlen und die Potenziale der Mitarbeiter. Mein Vater war im Salon auch Allrounder. Ich habe uns als Farbspezialisten etablieren können. Aber dafür habe ich den Haarkosmetikanbieter wechseln müssen. Nur so konnte die Qualität gesteigert werden. Klar, der Einkauf der Farben ist dadurch teurer geworden, aber die Anwendung und die Ergebnisse sind auch deutlich besser. Zudem haben wir das Thema Beratung ins Zentrum unserer Arbeit gestellt. Sie ist das A&O. Außerdem tragen jetzt alle Mitarbeiter schwarze Kleidung. Das Team wirkt dadurch homogen. All das hat sich unter dem Strich sehr gelohnt.

Ging diese die Umstellung völlig problemlos?

Daniel: Nein, natürlich nicht. Solche Veränderungen sind Prozesse, die nicht einfach sind. Sie sind teuer und schwierig. Es gab auch Mitarbeiter, die damit nicht einverstanden waren und die dann gegangen sind. Auf eine Art ist es sicher leichter, allein einen ganz neuen Salon zu eröffnen. Dann kann man gleich sein Ding machen. Aber ich bin sicher, dass ich bei einem völligen Neustart noch längst nicht dort stünde, wo ich jetzt stehe.

Was genau heißt das?

Daniel: Na ja, ich hatte – und habe bis heute - das große Glück, dass mein Vater mir beratend zur Seite steht. Schon damals übergab er mir immer hochwertigere Projekte, an denen ich wachsen und Erfahrungen sammeln konnte. Er hat mich machen lassen. Passierten Fehler – und die passieren immer –, half er mir, die richtigen Fragen zu stellen und herauszuarbeiten, woran es gelegen hat. So konnte ich viel lernen. Oder er hat mich in meiner jugendlichen Wildheit ausgebremst, was auch bisweilen nicht schlecht war. Heute sagt mein Vater, dass in mir mehr Friseur stecke als in ihm selbst.

Eigene Vorstellung, eigenes Team

Freischwimmer bestanden

Ist dein Vater eine Art Sprungtuch für dich als Unternehmer?

Daniel: So würde ich das nicht sagen. Aber wir sind sehr regelmäßig im Austausch und besprechen vieles. Er hört sich meine Ideen an, fragt nach dem „Warum“ mancher Pläne und teilt seine Meinung mit. So werden auch Krisen auf eine Art und Weise entkräftet. Ich kann einfach von seinen Erfahrungen profitieren – und ich liebe es! Zumal ich einfach über die Jahre gemerkt habe, dass sich viele Themen immer wiederholen. Das ist Geschichte. Zum Glück ist uns beiden klar, dass es unser Unternehmen nicht seit 1797 geben würde, wenn es nicht mit der Zeit gegangen wäre und sich nicht auf eine Art immer wieder neu erfunden hätte. Veränderung ist also auch absolut notwendig.

Welchen Tipp gibst du Kollegen, denen ein solcher Generationswechsel bevor steht?

Daniel: Klare Absprachen sind extrem wichtig! Wenn ich einen Bereich übernommen hatte, war das von Beginn bis zum Ende auch so. Im Vorfeld haben meine Eltern vielleicht an der Größe der Brötchen geschraubt, die ich backen wollte. Aber diese etwas kleineren Brötchen habe ich dann auch fertig backen können. Denn dann erst konnten alle sehen, ob sie schmecken. Das bedeutet, die Senioren müssen die Junioren wohlwollend Erfahrungen machen lassen. Aber die jungen Wilden sollten auch keinen Frust schieben, wenn sie als neue Kings mal keine Bäume ausreißen können. Und noch einen Tipp habe ich: Wir haben fixe Termine, an denen wir uns treffen, uns austauschen und das Ganze auch protokollieren. Wichtige Absprachen zwischen Tür und Angel funktionieren nicht. Familie hin oder her. Entscheidungen müssen schon für beide Seiten verbindlich sein.





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