Wenn aus Azubis Goldengel werden!

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Azubis lohnen sich
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Azubis lohnen sich

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Nicht erst seit Corona haben viele Friseurunternehmer beschlossen, nicht mehr auszubilden: Zu teuer, zu viel null Bock-Mentalität, lohnt sich nicht, keine gescheiten Bewerbungen, zu zeitintensiv… Na, prost Mahlzeit! Wenn die Tendenz so bleibt, wird das Nachwuchsproblem in unserer Branche in eine finale Katastrophe münden. Christian Funk, Salonunternehmer aus Lüneburg, ist jedenfalls alles andere als ausbildungsmüde. Erst vergangene Woche führte er 6 Vorstellungsgespräche, schlägt Alarm und erklärt, warum es sich gerade JETZT lohnt, für Nachwuchs zu sorgen.

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„Nicht mehr ausbilden? Für mich eine vollkommen abwegige und unmögliche Entscheidung und so falsch wie nur irgendwas! Natürlich habe ich – wie alle anderen auch – hohe Verluste in den Wochen des Lockdowns erlitten, aber dadurch, dass ich mein Konzept seit Jahren auf Nachhaltigkeit aufbaue, bin ich zum Glück fernab von jeder Existenzbedrohung! Dadurch können wir tatsächlich fast wie bisher weiterarbeiten und auch ausbilden. Außerdem gibt es in diesem Jahr interessante Förderungen durch den Staat, wenn man Azubis einstellt. Und da ich mich unabhängig davon sowieso entschlossen hatte, eine/n weitere/n Azubi einzustellen, fällt diese Förderung sogar noch größer aus!

Friseurausbildung? Ja, bitte!

Pro Jahr sind es zwischen 60 bis 100 junge Menschen, die bei uns eine Ausbildung machen möchten, darunter bis zu 15 Abiturienten. Ich weiß, dass die allgemeine Gemengelage eine andere ist und unser Salon da eher zur Minderheit gehört. Die Gründe, warum die jungen Leute heutzutage keine Friseurausbildung mehr machen möchten, sind ja hinlänglich bekannt – und es liegt nicht daran, dass der Beruf für sie unattraktiv oder uninteressant wäre. Da sind das negative Image der Friseurbranche mit fleißiger Unterstützung der Medien zu den Themen Lohn, Ausbildungsvergütung und Arbeitsbedingungen sowie eine hoffnungslos veraltete Ausbildungsverordnung! Und wenn schon nicht die Jugend keinen Bock auf Friseur hat, dann sind es spätestens die lieben Eltern, die ihren Kids eine Friseurausbildung ausreden.

Da hilft nur eins, sich als Ausbildungsbetrieb so hochwertig und professionell wie möglich zu positionieren… denn große Filialbetriebe, “Schnippelbuden” und “Salon Gertrud, Renate, Beate…” werden sicherlich keine engagierten Azubis anziehen, die Lust haben auf diesen tollen Beruf!

Mit „verkehrter“ Bewerbung Azubis gewinnen!

Dass ich so viele qualifizierte Azubis gewinne, hat natürlich System. Bei der Auswahl der Bewerber, die ich einlade, lege ich weniger Wert auf super Zeugnisse, sondern eher auf die Softskills, denn soziale Intelligenz ist schließlich der wichtigste Erfolgsfaktor in unserem Beruf. Kommt es dann zum Vorstellungsgespräch, drehe ich den Spieß sofort rum und bewerbe MICH bei dem potenziellen Azubi, schwärme ihm von meinem Unternehmen, meinem Konzept und auch der Art und Weise, wie ich meine Azubis ausbilde, vor. Dabei mache ich ihm sofort klar, dass wir nur die “besten” Auszubildenden gebrauchen können und wir uns deswegen genau bei ihm/ihr bewerben wollen!

Das Gespräch führe ich in der Istform, was bedeutet, dass ich davon ausgehe, dass er/sie schon mein neuer Azubi ist! . Beispiel: Sie besuchen die Berufsschule hier in Lüneburg, Ihre Ausbildungsvergütung “beträgt” 520 € im ersten Lehrjahr und Sie “arbeiten” bei uns vom ersten Tag an am Kunden.

Dann stelle ich dem zukünftigen Azubi seine neuen Ausbilder für die so wichtige und schwierige Anfangszeit vor, seine Azubikollegen aus den höheren Lehrjahren und biete an, dass er/sie gerne auch ein Gespräch mit den Kollegen alleine, also ohne mich führen kann!

Ein Sysem, das mir seit Jahren qualifizierte und begeisterte Auszubildende beschert, die ich übrigens nach ihrer Lehre übernehme. Seit ich so verfahre, muss ich keine externen Bewerber mehr einstellen.

Christian Funk, Salonunternehmer und Coach Christian Funk, Salonunternehmer und Coach ©Haarchitektur

Vom ersten Tag am Kunden arbeiten

Unsere jungen Mitarbeiter arbeiten vom ersten Tag an unter Anleitung der Azubis aus den 2. + 3. Lehrjahr am Kunden mit. Das gesamte Konzept ist auf Assistenzarbeit der Azubis ausgelegt, kaum ein Mitarbeiter trägt mal Farbe selbst auf, sogar die Kopfwäsche und die wunderbaren Wohlfühlmassagen werden von unseren Service-Spezialisten durchgeführt. Die haben ja keinen Termindruck und können entspannt diese so wichtigen Arbeiten ausführen! Aber auch in jeglichen Farbtechniken werden unsere Azubis schnellstmöglich eingearbeitet und das Thema Farbberatung, Farblehre, Typberatung beherrschen sie in der Regel nach ca. einem 3/4 Jahr. Auch hier haben wir schnell sehr gut ausgebildete Spezialkräfte.

Mit diesem System wird die Arbeit eines Auszubildenden deutlich aufgewertet und das Selbstwertgefühl steigt dadurch natürlich auch! Aber auch der Kunde nimmt diese so wichtigen Arbeiten völlig anders wahr. Führe ich ein Beratungsgespräch, ist der verantwortliche Auszubildende stets dabei, sodass dieser kontinuierlich lernt, wie man professionell berät. Nachdem ich mit dem Kunden alles besprochen habe, frage ich den Azubi nach einer Rezeptur und natürlich der Vorgehensweise. Hier kann ich dann wunderbar z.B. auf den Farbtyp, sowie Weißanteile eingehen und natürlich Hilfestellung geben.

Der Azubi lernt am lebenden Objekt, nicht am Plastikkopf und der Kunde erfährt, wie komplex unsere Arbeit ist und wie viel Mühe wir uns mit unseren Azubis geben. Das spricht sich rum und generiert neue Bewerbungen.

Mein Stammazubi!

Wir haben durch dieses Konzept Kunden, die sagen, es wäre ihnen egal, bei wem sie eingetragen sind, Hauptsache der “Stammazubi” macht die Farbe und den ganzen angenehmen Rest… nicht viel später hat der Kunde einen neuen Stammfriseur und der hat womöglich noch nicht mal ausgelernt! Und das Trinkgeldtöpfchen platzt am Abend aus allen Nähten! So kann ich mit unglaublich wenig Arbeit unglaubliche Umsätze fahren. Da soll mal einer über zu hohe Kosten von Azubis meckern! Ich verdiene mit einer enormen Win-Win-Situation richtiges Geld an meinen Goldengeln!

Aber auch zur Telefonannahme, Bestellung, Beantwortung von E-Mails, Social Media-Verantwortung, Kassen und Warenbestandspflege, bis hin zur Kalkulation und dem Schreiben von neuen Preislisten werden meine Azubis herangezogen. So entstehen echte Vollwertmitarbeiter, mit unternehmerischem Denken und Praxis sogar in Geschäftsführungsbereichen.

EIN Azubi ist KEIN Azubi

Ich bilde übrigens niemals nur einen einzigen Azubi aus. Hier halte ich es wie mit Katzen in der Wohnung. Die werden allein irgendwann verhaltensauffällig und zerkratzen die Möbel. Ähnlich ist es beim Azubi in „Einzelhaft“, weil dieser nicht immer nur eine Assistenzkraft bleiben, sondern schon während der Ausbildung eigenverantwortliches Arbeiten erlernen, anwenden und an neue Azubis weitergeben möchte. Ist er aber der einzige Azubi im Geschäft, wird dies niemals funktionieren! Außerdem sollen unsere Azubis im dritten Lehrjahr in den Youngstylisten Status übergehen, bedeutet – er kann ohne Termin- und Umsatzdruck Berufserfahrung sammeln und ist nach der Prüfung komplett in der Lage, selbstständig, effektiv und gewinnbringend am Kunden zu arbeiten! Das funktioniert natürlich nur, wenn wieder neues Blut im August nachkommet und er auch als Assistenz nicht mehr gebraucht wird!

Mein Appell an die Friseurbranche

Bietet den jungen Menschen eine alternative Form zu den leider sehr angestaubten offiziellen Ausbildungsinhalten! Bietet Ihnen Fort- und Weiterbildung schon innerhalb der Ausbildung! Lasst sie nicht als Putzfrau arbeiten, denn Azubis im Friseurhandwerk wollen „alles“ für Ihren Beruf erlernen, ansonsten sind sie weg. Bietet Ihnen Perspektiven! Meine Lehrlinge werden in der Schule von ihren Klassenkameraden beneidet und sie erzählen das Zuhause, in der Familie, in ihrem Freundeskreis etc. Durch diese positive Mund-zu-Mund-Propaganda gibt es auch weniger Ablehnung seitens der Eltern, wenn junge Menschen diesen Beruf ausüben wollen. Auch mit ein Grund, warum ich in meiner Jobanzeige schreibe, dass ich bei Widerstand der Eltern gerne helfen werde!

Lasst unseren schönen Beruf bitte nicht aussterben!

 

Weitere interessante Beiträge zum Thema Azubis findet ihr im Blog von Christian Funk. 

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