50 Jahre Sonderseminar: Analoges Familientreffen mit digitalem Touch!

Der Mix macht`s! Und der hätte beim Jubiläumsevent des traditionellen Sonderseminars, vor 50 Jahren (!) initiiert von Manfred Schmock und seit 38 Jahren (!) mitorganisiert von Jürgen Freudenstein, nicht abwechslungsreicher sein können! 3 Tage fachliche Highlights, Top-Referenten, hochkarätige Vorträge, kulinarische und kulturelle Höhepunkte! Im Mittelpunkt: das relativ unemotionale Thema Digitalisierung! Dafür umso emotionaler – die Wiedersehensfreude der 68 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Goldene Sonderseminar vom 24.11.-27.11.2018 in Berlin. Ein Bericht von Gabriela Contoli.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sonderseminars 2018 vor dem Brandenburger Tor

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sonderseminars 2018 vor dem Brandenburger Tor © AWAKENbeauty

Manfred I., schwer behangen mit sämtlichen Requisiten aus 50 Jahren Sonderseminar, von der Decke des Tagungsraums baumelnd, fällt mir als erstes ins Auge. Verwirrt frage ich Seminarleiter Manfred Schmock, was es mit diesem skurrilen Maskottchen denn auf sich habe und erfahre, dass dieses bereits seit Jahrzehnten das Sonderseminar begleitet und jedes Jahr mit einem neuen Gimmick versehen wird, das den jeweiligen Austragungsort des Seminars kennzeichnet. Und nach jedem Event von einem anderen Seminarteilnehmer bis ins kommende Jahr aufbewahrt und wieder mitgebracht wird. Eine goldige Tradition, denke ich, und mir wird sofort klar: Das hier ist eine ganz besondere Friseurveranstaltung mit Teilnehmern, die sich größtenteils seit Jahrzehnten kennen und mögen. Am Ende dieser drei Tage sollte sich meine erste Einschätzung mehr als bestätigt haben!

Manfred Schmock mit Sonderseminar-Maskottchen Manfred I
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Guten Morgen, guten Morgen!

Guten Morgen, guten Morgen! Nachdem am Samstagabend im Berliner Lokal Deponie 3 ausgiebig Wiedersehen gefeiert wird, startet das Goldene Sonderseminar am nächsten Morgen pünktlich um 9 Uhr. Und zwar mit einem Ritual, das mit Sicherheit mindestens genauso viele Jahre auf dem Buckel hat wie Manfred I.! Anders kann ich es mir nicht vorstellen, so textsicher wie alle mit Nana Mouskouris „Guten Morgen, guten Morgen“, fröhlich klatschend den ersten Seminartag begrüßen. Nach dem „Hallo wach“ geht es im Bus quer durch Berlin. „Warm up“ mit Sightseeing lautet das Motto! Und da ist die Bundeshauptstadt wahrlich unerschöpflich!

Mut zur Digitalisierung!

Nach dem Mittagessen im Hotel geben Manfred Schmock und Jürgen Freudenstein den Startschuss zum Sonderseminar, bei dem als Rahmenthema in diesem Jahr die Digitalisierung im Mittelpunkt steht. Der erste Referent, Dr. Dr. Cay von Fournier, ermuntert die Teilnehmer dazu, Mut statt Angst zur Digitalisierung zu zeigen. Denn diese lasse sich schließlich nicht mehr aufhalten und biete auch für den Friseur immense Vorteile. Er tröstet die Teilnehmer, indem er ihnen versichert, dass gerade bei Friseuren das Analoge, sprich das Mensch-zu-Mensch, auch immer eine wichtige Rolle spielen werde. Denn den persönlichen Umgang miteinander könne man schließlich nicht digitalisieren. Eine Aussage, die sich durch das gesamte Sonderseminar ziehen wird.

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Auf zur Blue Man Group

Beruhigt und motiviert machen sich die Teilnehmer im Anschluss ans „Aufbrezeln“, denn am Abend geht es ins Bluemax Theater am Potsdamer Platz zur Show der schrägen Blue Man Group. Auch hier wird mehr als deutlich, mit was für Riesenschritten die digitale Welt in unser aller Leben Einzug hält. Gestärkt mit guten Gesprächen wird sich anschließend im Berliner Bierhaus Mommseneck.

Dr. Hans-Martin Blättner
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Alexa, verstehst du mich eigentlich?

Den Montagmorgen startet Dr. rer. Pol. Hans-Martin Blättner, Vorstandsvorsitzender der Volks- und Raiffeisenbank Miltenberg und dort zuständig für die Digitalisierung. Der Bänker beginnt seinen Vortrag mit Hilfe der digitalen, rundlichen Allrounddame Alexa, die doch tatsächlich auf Zuruf Nana Mouskouris „Guten Morgen“ ausspuckt und auch sonst alles macht, was man ihr sagt. Naja, fast alles…!

Veränderung - was können Friseure von einem kahlköpfigen Bänker lernen? Blättner zeigt zunächst auf, wie viele Gemeinsamkeiten es erstaunlicherweise zwischen Friseuren und Bänkern gibt wie z. B. die Leistungserbringung am Kunden oder die sich aus dem direkten Kundenkontakt ergebenden Erfahrungswerte in sämtlichen Branchen. Jede Menge Schnittpunkte also, aber der Friseur sei hier klar im Vorteil, so Blättner, denn die Kunden erzählen diesem wesentlich mehr als dem Bänker. Anschließend provoziert er mit der These „Analog sterben oder digital leben?“ und macht den Teilnehmern deutlich, dass vor allem eine positive Lebenseinstellung, das beste aus allem zu machen, im Wesentlichen zum Erfolg eines Unternehmers beiträgt. Also, ran an den Fortschritt! Auch er ist der Überzeugung, dass die Digitalisierung die Welt verändert. Längst hat sich der Homo sapiens zum „Neck down-Wesen“ entwickelt (Hals runter und ins Smartphone starrend). Schlagwörter wie Big data, künstliche Intelligenz, IOT & AR oder Blockchaine machen schon ein wenig Ehrfurcht vor dem, was kommt, sehen sich doch 71% der Handwerker selbst als Nachzügler und nur 21% als Vorreiter der Digitalisierung, so Blättner. So what! Wichtig ist, dass Friseure digital am Ball bleiben und vor allem das nutzen, was ihnen zum Erfolg verhilft. Und das sind momentan in erster Linie die emotionalen Storys, die sie auf Social Media erzählen können, um mit ihren Kunden im emotionalen Kontakt zu bleiben und neue Kunden zu gewinnen.

Peter Zühlsdorff
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Ein Menschenmann aus der Vergangenheit

Nach einer kurzen Kaffeepause steht ein Mann auf dem Programm, der beinahe zwei Jahrzehnte lang Vorstandsvorsitzender von Wella war und seit seinem Ausscheiden 1995 als Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen großen Unternehmen seine Expertise einbringt. Peter Zühlsdorff bezeichnet sich selbst als Menschenmann, sieht aber die unaufhaltbare digitale Welt dennoch als „unglaubliche Chance“ für Friseure, da man mit ihr Informationen sammeln kann, beispielsweise über die Kunden, die sich dann von Mensch zu Mensch im Salon nutzen lassen.

Zu Besuch bei den Beardy Boys
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Salontour durch Berlin

Raus in die Praxis, heißt es nach der Mittagspause! In zwei Bussen teilen wir uns auf zur Salontour quer durch Berlin! Erfolgreichen Friseuren über die Schulter geschaut, lautet an diesem Nachmittag die Devise. Wir werden alle unglaublich herzlich empfangen von Kirstin Ellen-Vietze, Sylvio Kölbel (Beardy Boys Barbershop) sowie im Salon von Shan Rahimkhan, der sich persönlich leider jedoch nicht die Ehre gibt! Ein weiteres Highlight: der Besuch im Modeatelier von Star-Designer und Shooting-Star Marcell von Berlin. Bei Champagner und Süßigkeiten aus den 70er Jahren, präsentiert und für jedermann zugänglich in einem nachgebauten Berliner Spätkauf (Späti), zeigen uns Marcell und Top-Stylist Sacha Schütte die aktuellen Trends in Sachen Fashion und Catwalk-Hairstyles.

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Die Goldwell-Academy lädt ein

Den Abschluss dieses beeindruckenden Trend-Scoutings durch die Welt von Fashion und Beauty bildet der Besuch der Goldwell-Academy. Star-Stylist Mario Krankl präsentiert uns dort exklusiv seine aktuelle Avantgarde-Mode. Anschließend gibt es noch ein bissle unangekündigte Goldwell-Werbung mit Pure Pigments, präsentiert von den beiden Goldwell-Akteuren Jesus Rodriguez und Stephan Sievers. Den Abschluss dieses fachlich inspirierenden Abends bildet Tondeo und Andis-Akteur Shesher Emmanuel Sanwogou mit der Präsentation eines coolen Herrenhaarschnitts. Nach der Stärkung mit Berliner Currywurst steht der restliche Abend zur freien Verfügung.

Farbe bekennen!

Am Dienstagmorgen erwarten die Teilnehmer noch zwei Referenten, die nicht nur durch ihren Altersunterschied von mindestens 5 Jahrzehnten unterschiedlicher nicht sein können, aber beide auf ihre Weise total begeistern. Wir starten um 9 Uhr mit Professor Axel Venn, Farbguru für Gestaltung und Produkte sowie Entwickler von Farbleitlinien und Farbmarketing. Venn erklärt, warum Farbe als Verständigungsmittel dient, denn mit Farbe könne man sich sehr genau ausdrücken. Internationale Farben werden heutzutage jedoch weniger von der Industrie als vielmehr von den Medien kommuniziert, so seine Erkenntnis. Reize, die wir empfangen (kalt und warm, dunkel und hell), lösen Empfindungen aus und entscheiden, ob wir bleiben oder nicht. Diese Reize geben uns das erste Signal, was in unserer Umgebung ist (z. B. bei Liebe auf den ersten Blick), daraus entsteht ein Gefühl – angenehm oder unangenehm – dem folgen wir dann intuitiv. In seinem Vortrag beleuchtet er die verschiedensten Farbspektren und ihre Bedeutung. Seine Trendprognose zum aktuellen Interieur lautet: reduziert, weiß-grau, das Wenige inszenieren. In Sachen Saloneinrichtung empfiehlt der Farbexperte eine Öffnung nach außen mit reduziertem Design und reduzierten Farben. Der Salon soll ein „Naherholungsgebiet“ sein. Denn schließlich kämen die Kunden ja nicht dorthin, um sich aufzuregen. Auch Axel Venn unterstreicht in seinen Ausführungen, dass das Analoge das eigentlich richtig Wertvolle sei. In diesem Zusammenhang führt er als Beispiel unser Gehirn an, das als nicht programmierbares, jedoch autonomes Instrument viel klüger sei als wir wissen und intelligent genug, um uns Träume zu bieten, die wir nicht steuern können.

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Hat das Aussterben der Friseure begonnen?

Knisternde Spannung und aufgeregte Erwartungshaltung nach der Kaffeepause! Daniel Golz, der einzige und einzigartige Youtube-Star der Friseurszene, hätte vor lauter Selfie- und Autogrammwünschen der Gäste beinahe seinen eigenen Vortrag verpasst! Und das wäre wirklich total schade gewesen, denn diese letzte Stunde des Seminarprogramms waren Aufklärung, Erleuchtung und Aha-Effekt pur beim Thema Digitalisierung im Salon. Der versierte Pionier in Sachen Internet, Youtube und Social Media zeigt seinem begeisterten Publikum, wie der digitale Hase in unserer Branche läuft! Mit anschaulichen Beispielen aus seiner eigenen Praxis, den für Golz so typischen witzigen und provokativen Kurzvideos und jeder Menge Esprit vermittelt der schillernde Paradiesvogel den Teilnehmern, dass das Aussterben der Friseure schon längst begonnen habe. Überleben werden diejenigen, die sich der Zeit anpassen, die sich dem Thema Digitalisierung überlegt stellen und damit sinnvoll und verantwortungsvoll umgehen. Die Zukunft werde unvermeidbar digital und nur, wer mit seinem Salon eine gute Internetpräsenz habe, werde sich des Zulaufs auch künftig sicher sein. Erfrischend ehrlich, offen und direkt! Danke, Daniel! 

Nach so viel Digitalisierung freuen sich die Teilnehmer, mal wieder ganz analog feiern zu dürfen
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Galadinner und emotionaler Abschluss des 50. Sonderseminars

Nach so viel digitalem Input freuen sich die Teilnehmer auf einen freien Nachmittag zum analogen Shoppen in der Mode- und Trendmetropole Berlin. Am Abend folgt dann der krönende Abschluss eines superlativen Sonderseminars: das Galadinner mit himmlischen Gourmetfreuden, Tanz und Spaß über den Dächern von Berlin im legendären Funkturm. Die Gäste feiern bis in die Morgenstunden mit einem lachenden, aber leider auch mit einem weinenden Auge. Denn für Manfred Schmock, der das Sonderseminar vor genau 50 Jahren ins Leben rief, ist die Goldene Ausgabe auch gleichzeitig die letzte. Schmock möchte sich verständlicherweise und abolut verdient ab jetzt mehr ins Privatleben zurückziehen. Seine Frau Monika wird es freuen…Alles Gute, lieber Manfred Schmock!

Schön, dass dieses beliebte Branchen-Highlight eine Fortsetzung finden wird: Denn Jürgen Freudenstein wird das Sonderseminar mit einem neuen Team an seiner Seite, bisher bestehend aus Dirk Teß und Tanja Meuthen-Copertino, weiterführen! FMFM wünscht dabei viel Erfolg!

Stimmen der Teilnehmer:

Brigitte Berndt, Seminarteilnehmerin seit der Anfangszeit
"50 Jahre Sonderseminar! Ein Wiedersehensfest mit lieben Kollegen, super Referenten, einer facettenreichen Ideenbörse und analogem, ehrlichen Gedankenaustausch. Was mich in diesem Jahr besonders inspiriert hat: der Besuch im Beardy Boys Barbershop mit der Herrenserie Graham Hill Cosmetics. Ich fahre hoch motiviert nach Hause!“

Jutta Peter, zum 2. Mal beim Sonderseminar
„Ich bin überrascht, wie vielseitig es in diesem Jahr wieder war. Die Aufarbeitung des Themas Digitalisierung mit seinen vielen Facetten konnte uns jeder Referent auf seine Weise näherbringen und uns damit vertrauter machen. Besonders beeindruckt hat mit Daniel Golz mit seinem Vortrag. Ich hoffe, dass ich von dem Gelernten vieles umsetzen kann. Im nächsten Jahr bin ich definitiv wieder dabei!“

Gabriele Zwack, zum 2. Mal beim Sonderseminar
„Ich bin total glücklich, dass ich hier mit dabei bin und mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen so offen und ehrlich austauschen kann. Ich bin in diesen drei Tagen mit so vielen wertvollen Informationen versorgt worden, was in der großen weiten Friseurwelt gerade up to date ist, dass ich mich dadurch bestimmt super weiterentwickeln kann. Tolle Referenten, vor allem jetzt zum Schluss Daniel Golz. Er hat es wirklich geschafft, mir ein Stückchen Angst vor dieser ganzen digitalen Welt zu nehmen!“




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