Jens Koegel: Was der „beste Arbeitgeber von Sachsen-Anhalt“ anders macht

Wenn ein Friseurbetrieb als „Bester Arbeitgeber Sachsen-Anhalts“ gekürt wird, macht uns das mehr nur neugierig! Zahlt er ein 16. Jahresgehalt? Macht er mit seinen Mitarbeitern Incentives auf die Seychellen? Oder sind etwa die Angestellten die heimlichen Chefs? Jens Koegel aus Halle hat kürzlich genau diesen Titel vom Forschungs- und Beratungsinstitut „great place to work“ erhalten. Und wir wollen wissen: Herr Koegel, bei all diesen Lorbeeren - was machen Sie mit 3 Salons und 17 Mitarbeitern anders als andere Arbeitgeber?

Familiäres Klima: Im Familienunternehmen Koegel fühlen sich die  Mitarbeiter wohl

Familiäres Klima: Im Familienunternehmen Koegel fühlen sich die Mitarbeiter wohl © Koegel

Herr Koegel, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu der Auszeichnung! Selbst die BILD-Zeitung hat über Ihren Erfolg berichtet. Die Überschrift lautete: „Meine Leute sind meine Familie“. Stimmt das so?

Koegel: Grundsätzlich ist die Artikelüberschrift richtig: In unseren Salons geht es immer um das WIR. Dass wir gemeinsam etwas bewegen können und Erfolg haben. Das erzeugt ein Gefühl von Familie, das schweißt zusammen. Und macht zufrieden.

 

Was war die Basis der Auszeichnung „Bester Arbeitgeber Sachsen-Anhalts“, die Ihnen das Kölner Forschungs- und Beratungsinstitut „great place to work“ verliehen hat?

Koegel: Es gab eine standardisierte und vor allem anonymisierte Befragung der Mitarbeiter, die deren Zufriedenheit mit uns als Arbeitgeber abfragte. Außerdem wurden das Unternehmensmanagement und die Personalmaßnahmen überprüft.

 

Die Ergebnisse Ihrer Mitarbeiterbefragung gelten bundesweit als herausragend und beispielhaft. Ihre Salons sind damit ein „great place to work“, was übersetzt „ein großartiger Arbeitsplatz“ bedeutet. In der Begründung der Jury hieß es: „Koegel der Friseur steht für Tradition wie für Innovation, für Wertschöpfung wie für Wertschätzung, für Vertrauen, Loyalität und Herzlichkeit wie für Sicherheit, Klarheit und Offenheit. Hier kommt die Unternehmenskultur einer Stolzkultur gleich, die sich auf eine Vielzahl von Erfolgen gründet.“ Was genau bieten Sie?

Koegel: Wie immer man sich als Unternehmer aufstellt: Arbeitgeber und Mitarbeiter müssen einfach zueinander passen, damit sich beide wohl fühlen. Sie müssen eine ähnliche Energie haben. Ich bin bei der Auswahl der Mitarbeiter sehr achtsam und schaue, welche Präsenz sie haben. Sind sie interessiert und fokussiert? Kann ich sie gut erreichen? Sind sie motiviert? Schulnoten sind bei mir nicht ausschlaggebend. Wichtiger sind mir Fähigkeiten, die man nicht ohne Weiteres lernen kann. Azubis biete ich zum Beispiel 2 Probearbeitstage an. Da kann man bereits viel von und über einander erfahren. Was nicht bedeutet, dass ich vor Misserfolgen gefeit bin. Aber nach der 4-monatigen Probezeit ist schon klar, ob es passt oder nicht.

 

Es geht also nicht darum, es dem Personal recht zu machen?

Koegel: Nein. Ich habe einen kooperativen Führungsstil. Wer es seinen Mitarbeitern recht machen möchte, um zu gefallen, folgt einem Irrglauben. Es geht als Chef darum, gemeinsame Ziele zu erarbeiten, die die Interessen und Talente der Mitarbeiter einbeziehen. Und dann Strukturen zu schaffen, in denen genau das möglich ist. Nicht jeder ist ein unternehmerischer Typ. Das muss er auch nicht sein. Es ist nur wichtig, dass jeder im Team den Platz einnimmt, an dem er seine oder ihre Fähigkeiten am besten für das große Ganze einsetzen kann. Dann fühlen sich Mitarbeiter wohl; dann hat eine Mannschaft Erfolg.

 

Spielt die Bezahlung bei der Zufriedenheit nicht auch eine Rolle?

Koegel: Natürlich. Daher gibt es bei uns selbst bei Auszubildenden bereits Leistungszuschläge. Urlaubsgeld und Geburtstagsgeschenke haben wir auch im Programm. Aber letztlich sind es nicht nur die monetären Anreize, die Mitarbeiter binden. Es braucht viel mehr.

 

Was denn noch genau?

Koegel: Unser Ziel im Salon ist es, Kunden glücklich zu machen. Also muss es uns als Salonteam erst einmal selbst gut gehen. Sonst können wir uns nicht authentisch um andere kümmern, sie verwöhnen und umsorgen. Unsere wöchentliche Teamsitzung startet daher immer mit einer 10-minütigen Meditation. Dann erst tauschen wir uns aus, klären Themen und Anliegen. Dabei haben auch persönliche Themen und Coaching Platz. Menschen sind ja keine Maschinen. Mir ist auch die Gesundheit meiner Mitarbeiter extrem wichtig. Kürzlich hatten wir z.B. einen Mitarbeiter der AOK im Salon, der uns allen bei der Arbeit zugeschaut hat: Wie stehen wir beim Schneiden? Wie sitzen wir? Wie ist die Haltung beim Waschen? Basierend auf seinen Beobachtungen hat er uns viele Tipps gegeben. Zudem kommt ein Mal monatlich ein Physiotherapeut in den Salon, der den Mitarbeitern Massagen anbietet. Außerdem machen wir alle 3-4 Monate Gesundheitsseminare zu Themen wie Achtsamkeit oder Qi Gong.

 

Wie führen Sie die berühmt-berüchtigte Generation Y?

Koegel: Diese jungen Mitarbeiter sind besonders frei im Denken. Im Umgang mit ihnen horche ich bei ihren Reaktionen immer in mich hinein: Sind sie nur flapsig oder aber reflektiert und kritisch? Ich muss das in Ruhe hinterfragen. Mir geht es ja nicht um Recht oder Unrecht. Wenn ihr Verhalten interessante Impulse setzt, der Sinnhaftigkeit und damit dem großen Ganzen dient, lasse ich mich gern überzeugen. Der Fokus muss sein: Dient es der Sache? Macht es die Kunden glücklich? Und diesen Fokus gilt es für mich als guter Arbeitgeber zu halten.

 

Fassen wir zusammen: Ihre Kunden sind glücklich. Sie sind es. Und Ihre Mitarbeiter auch. Wie aber wissen zukünftige Bewerber, dass Ihr Salon ein solches Paradies ist?

Koegel: Wir sind uns über das schlechte Image der Friseurausbildung bewusst, das da lautet: Wenn du nichts wirst, wirst du Wirt – oder eben Friseur. Daher erhält jeder Azubi neben der dualen Ausbildung bei uns die private Zusatzausbildung zum Hair & Beauty Artist an der ProGenius-Schule in Darmstadt. Der Besuch dieser privaten Berufsschule, die mit Unterstützung von La Biosthétique Paris ins Leben gerufen wurde, wertet das Berufsbild extrem auf. Das spricht sich herum und macht die Ausbildung für Bewerber bei uns attraktiv. Neben dem Titel ist es die Tatsache, dass die Lehrlinge in kurzer Zeit sehr viel lernen und sehr schnell am Kunden kleinere Dienstleistungen wie eine Maniküre, eine Massage oder ein Make-up machen können. Das bringt Spaß und Motivation. Und über steigende Umsätze kann ich dann wiederum übertarifliche Löhne zahlen. Es ist also ein Gesamtkonzept, das Mitarbeiter wirklich zufrieden macht.

Koegel





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