Passgenau! Top Hair – die Messe 2018 hat abgeliefert!

+++Über 37.000 Friseure kamen und kommunizierten+++Reichlich Budenzauber+++Shooting Stars und alte Hasen+++Golz – die digitale Wunderwaffe+++Großindustrie wenig opulent+++Kreative Standkonzepte von Mittelstand und Großhandel+++Offline-Service versus Online-Order+++poppige Pastelle+++Barber-Overkill?

Über 37.000 Fachbesucher kamen zur Top Hair - Die Messe 2018 nach Düsseldorf

Über 37.000 Fachbesucher kamen zur Top Hair - Die Messe 2018 nach Düsseldorf © Messe Düsseldorf Constanze Tillmann

Auf Friseure ist Verlass: „Live austauschen statt nur digital chatten!“ war das inoffizielle Motto beim großen Familientreffen „Top Hair – die Messe 2018“ am vergangenen Wochenende in Düsseldorf. Quirlig, neugierig und meist bei bester Laune traf sich eine Rekordzahl von 37.000 Fachbesuchern in der auf 3 Messehallen erweiterten Ausstellungfläche. Sie erlebten einen gelungenen Mix aus Fachmesse, Facts & Figures, Shopping, Show und viel Interaktion.

Klare Sache: schon mit dem markigen neuen Titel „Top Hair – die Messe 2018“ wollten die Veranstalter in diesem Jahr ein echtes Statement abgeben. „DIE Messe“, nicht irgendeine Messe sollte es am Wochenende 10./11.3. in Düsseldorf sein! Um die vollmundige Ansage zu unterstreichen, man verstehe sich als Leitmesse in Europa, ging man in Düsseldorf mit einem überarbeiteten Konzept und einer vergrößerten Ausstellungsfläche an den Start. Und siehe da: Wem es als Fachbesucher mit viel Mühe gelang, sein inneres Navi auf die Messehallen 4 bis 6 umzuprogrammieren, der kam in den Genuss einer ganzen Reihe angenehmer Neuheiten!

Klein, aber fein wie hier der Stand von Fripac-Medis
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Kommt & kommuniziert!

Die 450 Aussteller aus 20 Nationen waren wie gehabt auf 2 Hallen aufgeteilt, wobei die Showbühne jedoch in eine eigene Halle ausgelagert war. Das Ergebnis im Order- und Verkaufsbereich war eine großzügig wirkende Hallengestaltung mit angenehm breiten Gängen und genügend Platz, auf dem die oft wertigen und teils sehr liebevoll gestalteten Standkonzepte gut zur Geltung kamen. Was sofort auffiel: Die Hersteller wollten mit ihren Kunden kommunizieren und interagieren! In Kontakt treten! Beraten! Überzeugen! Statt an den Ständen viel Bumm-Bumm und Trallalla zu bieten, waren die Fachbesucher vor allem eingeladen, Produktwelten wirklich zu erleben, Neuheiten persönlich zu testen, Fragen zu stellen, bei Drinks zu verweilen oder auch Kollegen bei der Erarbeitung von Trendlooks hautnah über die Schulter zu schauen. Ob auf den trendig inszenierten „Dachterrassen“ von Newsha, New Flag und Stopperka, am stylischen Stand von Kevin Murphy in „Kevins Wohnzimmer“ oder an der cool designten, langen Testtheke von Graham Hill– die Messebesucher nahmen das Angebot zum Austausch gern an. Als trubeliger Publikumsmagnet erwies sich auch der Tigi-Stand: hier fanden sich Menschentrauben ein, die gespannt darauf warteten, in jeweils kleinen Grüppchen ein ‚geheimes’ Überraschungsprogramm zu erleben: die persönliche Einführung in die neue Tigi-Produktwelt. Wenig opulent, dagegen eher familiär und informativ ausgerichtet waren auch die Ausstellungsflächen der Großindustrie wie Wella oder L’Oréal. Dicht vereint unter ihren Firmendächern präsentierten sie in vergleichsweise übersichtlichen „Boxen“ ihre unterschiedlichen Markenwelten und stellten ihre Neuheiten vor.

Der Amazon-Bus musste diesmal noch draußen bleiben

Offline-Service versus Online-Order

Wo wir auch schon beim Thema wären. Auffallend viele Hersteller bemühten sich emsig um die Gunst der Friseure. Sei es mit neu konzipierten Produktinnovationen, die wirkliche Friseurexklusivität versprechen oder mit Konzept- oder Dienstleistungsideen, die die Kompetenz des Profis unterstreichen sollen. L’Oréal ging mit der veganen Pflanzenhaarfarbe „Botanea“ und einem Express-Strähnen-Service an den Start. Wella stellte den ‚Color DJ’ vor, eine Mischmaschine, die in Salons zum Kreieren maximal individueller Farbpflege eingesetzt werden soll. Ziel scheint es dabei zu sein, durch das Fokussieren auf Profi-Know-how Bollwerke gegen das explodierende Internet-Business zu schaffen, das zum Leidwesen der Saloninhaber die Umsätze beim Verkauf immer mehr schrumpfen lässt. In diesem Zusammenhang eine wahre Ironie des Schicksals: Der Online-Riese Amazon stand (diesmal noch) in einem silbernen Retro-Bus auf der Außenfläche der Messehallen und bewarb eifrig seine frisch lancierte Bestellplattform „Salon Pro“. Bleibt abzuwarten, wie und ob sich diese neue Offerte auf die Friseurszene auswirken wird. Großhändler und Hersteller jedenfalls dürften dem neuen „Mitbewerber“ mit gemischten Gefühlen entgegenblicken.

Buntes Farbspektrum

Ein deutlich fröhlicheres Thema hingegen waren die „vielen, vielen bunten Smarties“, die sich im illustren Messegeschehen in den Gängen, auf den Bühnen und an den Ständen präsentierten. Kaum ein Anbieter, der nicht die poppigen Pastelle live und in Farbe vorstellte. In teils perfekter Umsetzung toll anzusehen! Dennoch: im Salon sind die Marshmellowfarben nach wie vor ein Nischengeschäft. Auf dieser Messe jedoch entstand der Eindruck, als sei das wahre Gold im Land der Einhörner verscharrt. Wohl mehr ein Traum. Alltagstauglicher, weil umsatzrelevanter, zeigte sich hingegen der neue Metallic-Trend in der Coloration. Wunderschöne, metallisch glänzende Farben waren bei verschiedenen Herstellern und einigen Shows zu sehen. Goldwell glänzte gar mit einer Neuheit namens „Pure Pigments“, die als Zugabe zu oxidativen Farben für multidimensionale Lichtreflexe sorgen soll. Als sinnliche Gegenspieler der kühlen, metallischen Trends wurden herrlich pudrige, sinnliche Colorationsnuancen präsentiert, die oft in aufwendigen, weiterentwickelten Balayage-Techniken erarbeitet wurden.

Daniel Golz war überall!
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Wanted: Facts & Figures

Überhaupt zeigten sich viele Messebesucher ausgesprochen interessiert an fachlichem Input. Sicher, auch die Masse der Friseure, die mit ihren vollen Shopping-Trolleys die Gänge verstopften, ist erwähnenswert. Doch selbst mit umfangreichen Errungenschaften im Gepäck suchten viele von ihnen die Schnittfabrik und die Kongress- und Workshop-Bühnen auf. Dort gab es ein hochwertiges Programm aus Show-, Technik- und Businessinhalten zu sehen. Referenten wie Franc Braun, Stephan Bethke und Heiko Schneider referierten im Kongresszelt zu Themen wie Fachkräftemangel, Generation Y & Z und Friseursalon 4.0 und gaben Kollegen konkrete Strategie-Tipps für ihre Geschäfte. Auch die digitale „Wunderwaffe“ Daniel Golz, der sich bei vielen Auftritten auf der Messe als wahrer Friseurmagnet entpuppte, sorgte bei seinem unterhaltsamen Vortrag zur ‚Selbstdiagnose Haarfarbe’ für volles Haus. Auf den Workshop-Bühnen zeigten Akteure wie Frank Brormann, Mike Karg und Pivot Point ihre anspruchsvollen Schnittmethoden; die Teams von Toni & Guy, Glynt, Wella, Paul Mitchell oder Goldwell präsentierten neueste Trends in Cut & Color. Viele Styles der 80er – allen voran Abwandlungen des legendären Vokuhilas – wurden gezeigt. Aber auch 60er-Pilzköpfe waren zu entdecken, die mit neuer Struktur zu wirklich wandelbaren Looks werden. Dazwischen immer wieder Stylings, bei denen jede Menge Textur DAS Thema war. Richtig Stimmung in die Bude – und damit hinter den Vorhang von Workshopbühne 4 – brachte Guy Tang. Bewacht und beschützt durch reichlich Security zeigte das Social-Media-Wunder seine Trendtechniken und stellte seine neue Haarfarbe #mydentity vor. Einem Shooting-Star wie Guy hätte sicher auch eine deutlich größere Bühne mit mehr Platz für das faszinierte Publikum gut getan, denn der Andrang war enorm.

Top-Act am Samstagabend war die Show von Sebastian Professional
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It’s Showtime

Reichlich Budenzauber bot auch in diesem Jahr das Programm auf der großen Showbühne. Spannende nationale und internationale Acts, unter ihnen der bezaubernde Patrick Cameron, die kreative Mannschaft von Toni & Guy, Keller the school, J7 und Kertu für L’Oreál Professionnel sowie Martina Acht unterhielten das Publikum auf den meist gut besuchten Rängen prächtig. Ein besonderes Highlight war der Auftritt des Australiers Kevin Murphy himself. Mit seinem Team zeigte er ein berauschendes Fest aus Farbe, Styling und ausgefallener Mode. Auch Sebastian Professional griff für die große Show am Samstagabend tief in die Trickkiste und brachte Ikone Robert Lobetta mit Shay Dempsey auf die Bühne. Flankiert von ihrem Team zeigten die beiden „Rebellen“ Styles der Kampagne „What’s next“ und demonstrierten dem begeisterten Publikum, was Kunst im Haar so alles bedeuten kann.

Männersache

Bleiben die Männer. Barbershop, das Boom-Thema der Messe 2017, hatte bei der diesjährigen Top Hair bereits deutlich an Fahrt verloren. Viele bekannte und nur wenige neue Marken waren in der Barbercorner am Start und zeigten ihre Haar- und Rasurprodukte sowie Tools. Top-Brand American Crew fehlte abermals völlig. Die 1o1 Barber hatten sich abseits der Corner an einer Querwand allein positioniert. Neues gab es wenig, dafür floss der Gin reichlich die rauen Kehlen runter. Ist das Barber-Thema gelaufen? Wohl kaum. Es mag daran liegen, dass sich die Friseurwelt schlichtweg an die Barberszene gewöhnt hat und die Jungs nicht mehr auffallen. Oder hatten sich die Veranstalter mit der fast stiefmütterlichen Lage der Barbercorner (am Ende von Halle 4) einfach keinen Gefallen getan? Waren etwa die fehlenden Barber Awards Schuld am fehlenden Glitter? Klar, gut besucht war sie zwar, die mit merkwürdig anmutenden Wänden separierte Parallelwelt der Männerprofis. Dennoch: irgendwie mochten die Funken zwischen der Barbercorner und der übrigen Messe nicht überspringen. Es bleibt ohnehin die Frage offen, warum es der fast Big-Brother-mäßigen Trennung der „männlichen Bewohner“ überhaupt noch bedarf? Sind die Barber nicht schon längst im Alltag aller Friseur- und Fashionfans angekommen? Wir meinen schon!

Fazit

‚Top Hair – die Messe 2018’ hat abgeliefert! Mochte sich auch der/die eine oder andere über Eintrittspreise von 78 Euro pro Mann und Maus aufregen: das Messeprogramm hatte eine Menge zu bieten. Das Angebot aus Ausstellung, Shopping, Shows, Workshops und Vorträgen war qualitativ hochwertig zusammengestellt. Sicher, „früher war mehr Lametta“, mehr Party. Auch auf der Messe. Aber da waren Mitarbeitermangel und Onlinehandel noch kein Thema. Haarkosmetikfirmen glänzten damals mit großen Flächen und viel Chichi. Dennoch: Den Veranstaltern ist es gelungen, mit einem guten Angebots-Mix einen Mehrwert zu bieten, der selbst am „heiligen Friseur“-Samstag schon richtig viele Besucher nach Düsseldorf lockte. Und das schafft längst nicht jedes Familien-Event. Oder?

Fotos: Messe Düsseldorf Constanze Tillmann und AWAKENbeauty für fmfm




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