„Weil wir eine Menge wert sind!“

FMFM-FmRegina-Rieckmann-Slam
Foto: privat
Regina Rieckmann mit Stage-Profi Hermann Scherer beim 17. internationalen Speakerslam
Foto: privat
Regina Rieckmann mit Stage-Profi Hermann Scherer beim 17. internationalen Speakerslam

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Was haben Speakerslams, Friseurszene, Fachkräftemangel und faire Entlohnung gemeinsam? Vieles! Zumindest, wenn FMFM Artistin und Friseurunternehmerin Regina Rieckmann auf der Bühne steht. Beim 17. Internationalen Speakerslam in Mastershausen beeindruckte die Bargteheiderin das Publikum mit ihrer mitreißenden Rede zum Thema „Von der Knappheit zur Fülle“.

Anzeige

Anzeige

Wer sich beim renommierten Speakerslam auf die Bühne traut, hat sprichwörtlich etwas zu sagen! Bei dem bekannten Wettbewerb, der bereits in Metropolen wie Dubai, New York und Berlin stattfand, gilt es, eine Rede quasi „freestyle“ innerhalb von 4 Minuten auf den Punkt zu bringen. Eine Challenge, die Friseurunternehmerin Regina Rieckmann nur allzu gern annahm! Der Tenor ihres Speakerslam-Beitrags: Der Fachkräftemangel ist tatsächlich mehr ein Mangel an gerechter Verteilung von finanziellen Mitteln. Es geht nicht primär darum, mehr Mitarbeiter zu finden, sondern vielmehr darum, die vorhandenen Ressourcen effektiv zu nutzen und fair zu entlohnen. Diese Botschaft fand große Zustimmung beim Publikum und brachte ihr letztendlich den internationalen Speakerslam-Champion Award mit dem Diplom in Gold ein.

Herzlichen Glückwunsch, Regina! Du managst zu Hause einen Salon mit 15 Mitarbeiterinnen – woher kommen da Zeit, Energie und Spaß daran, um an einem solchen Redner-Wettbewerb teilzunehmen?

Es waren mehrere Faktoren, die mich zur Teilnahme am Speakerslam motiviert haben. Zum einen war es für mich eine große Herausforderung, vor Menschen zu sprechen und meine Gedanken und Ideen mit ihnen zu teilen, ohne dabei vor Aufregung meinen Text und die Message zu vergessen. Es war eine Gelegenheit, meine Komfortzone zu verlassen und etwas Neues zu wagen. Aus der Neurowissenschaft ist mittlerweile bewiesen, dass wir nur wachsen können, wenn wir das Alte und Vertraute hinter uns lassen und Neues ausprobieren. Erst dann entstehen neue Verknüpfungen in unserem Gehirn, die uns zu neuen Menschen werden lassen. Dies nur als kleine Anmerkung dazu, warum es wichtig ist, dass wir immer wieder unsere Komfortzone verlassen und Neues ausprobieren. Ein weiterer Grund war das Bedürfnis, zu lernen, wie man auf der Bühne überzeugend, mit Witz, Charme und Sinnhaftigkeit auftritt. Es ging nicht nur darum, meine Botschaft zu vermitteln, sondern auch darum, das Publikum zu erreichen und zum Nachdenken anzuregen.

Das scheint dir gelungen zu sein! Und zwar mit einem sehr speziellen Thema: die Bezahlung und Wertschätzung im (Friseur-)Handwerk. Wie kam es dazu?

Es ist mir ein Anliegen, dass wir als Handwerker, egal ob Friseur, Installateur, Heizungsbauer oder Fliesenleger, ein gutes Einkommen erzielen und unsere Mitarbeiter fair bezahlen können. Es soll nicht nur darum gehen, dass wir mit unseren Händen arbeiten, sondern auch darum, dass unsere Fähigkeiten, Erfahrungen und stetigen Weiterbildungen anerkannt und wertgeschätzt werden! Ich habe in den letzten Jahren immer wieder festgestellt, dass wir im Handwerk, wenn es darum geht, angemessen und gutes Geld zu verdienen, meistens etwas zusätzlich machen „müssen“. Sei es als Referent oder Coach zu arbeiten oder sei es im Salon, noch andere Verkaufsdienstleistungen wie Mode o. Ä. anzubieten. Die Frage, die sich da stellt, ist doch: Was also darf passieren, damit wir unser Einkommen tatsächlich mit unserer Kerndienstleistung wie einem Haarschnitt verdienen können?

Eine Thematik, die du als Unternehmerin und als Coach in der Friseurbranche nun wirklich aus der Praxis kennst und täglich am eigenen Leib erfährst.

Das stimmt. Ich habe mich darauf konzentriert, das Mindset der Unternehmer und Mitarbeiter zu ändern. Es geht darum, zu erkennen, dass das, was wir uns in vielen Jahren an Wissen, Fähigkeiten und Qualitäten angeeignet haben, einen Wert hat und entsprechend entlohnt werden sollte. Es geht auch darum, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen und ihnen Wertschätzung für sich selbst und das, was sie leisten, zu vermitteln. Nur wenn wir als Team zusammenarbeiten und uns gegenseitig wertschätzen, können wir erfolgreich und zufrieden arbeiten, egal ob an uns selber oder unseren Gästen. Auslöser für mich, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen, waren bestimmte Vorkommnisse und Erfahrungen in meinem eigenen Salon. Es gab Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mehr Gehalt wünschten, aber aufgrund der hohen Auslastung und der gleichbleibenden Preise konnte ich ihnen nicht mehr Kunden zuweisen, um dies zu ermöglichen. Es war eine schwierige Situation, die dazu führte, dass diese Mitarbeiter das Unternehmen verließen, da es für ihr Anliegen zu diesem Zeitpunkt keine schnelle Lösung gab. Ich selber hätte als Unternehmer den Mehrverdienstwunsch bezahlen können, allerdings ist das weder wirtschaftlich noch konnte ich es zu diesem Zeitpunkt. Kurzum: Der Verlust dieser zwei Mitarbeiter hat mich sehr getroffen und zum Nachdenken gebracht, und ich habe damals erkannt: Etwas musste verändert werden in der Struktur unseres Salons und im Team.

An welchen Stellschrauben hast du konkret gedreht?

Ich begann, nach Lösungen zu suchen. Ich stieß auf das Konzept des Level Systems, das bereits von vielen Unternehmen erfolgreich angewendet wird. Ich habe durch den Austausch mit Kollegen, die ein solches System schon länger führen, viele Ideen bekommen. Zusammen mit meinem Team haben wir dann ein System entwickelt, passend für unseren Salon, das es den Mitarbeitenden ermöglicht, aufzusteigen und mehr zu verdienen, wenn sie sich weiterbilden und ihre Fähigkeiten verbessern, Kunden zu Stammkunden machen und dafür sorgen, dass eine entsprechende Folgeterminvereinbarung stattfindet. Dabei geht es nicht nur um die Einteilung in verschiedene Preiskategorien, sondern auch um die gegenseitige Unterstützung und das Feiern von Erfolgen im Team und auch von jedem Einzelnen. Auch für mich persönlich war dieser Wechsel eine wichtige Lektion in finanzieller Unabhängigkeit. Als ich mich von meinem Mann trennte, wurde mir klar, dass ich allein für meine finanzielle Sicherheit verantwortlich bin. Ich darf nicht nur mich und meine Tochter allein versorgen, sondern durfte ab da an auch alles allein im Salon an Verantwortung tragen. Es war eine schwierige Zeit, aber ich habe gelernt, wie wichtig es ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Zu verstehen, was, und vor allem wie, etwas getan werden muss, um das Unternehmen, den Salon so voranzubringen, dass für alle genug da ist, um ein Leben zu führen, das sich jeder Einzelne wünscht.

Spannend, wenn ein ganzes Salonteam gemeinsam eine Art Metamorphose in Richtung Zufriedenheit durchlebt – und eine schöne Geschichte für einen Speakerslam.

Ja, wir können nicht von unserem wichtigsten Kapital, unseren Mitarbeitern, verlangen, dass sie morgens in den schönsten Klamotten, perfekt gestylt, von ihrem letzten Urlaub in Dubai berichten und sich mit unseren Gästen austauschen, wenn sie sich es selber nicht leisten können. Mein größter Wunsch und Antrieb war schon immer, dass sich meine Mitarbeiter eine Wohnung, ein Fortbewegungsmittel, Mode, Urlaub und ihre Freizeitgestaltung leisten können, auch wenn sie als Single alleine leben. Das alles war und ist mein Thema, wofür ich auf die Bühne gegangen bin, weil es das ist, wofür ich brenne und stehe. Weil ich in meinem Job als auch als Coach die Brücke schlagen möchte zwischen Chef und Mitarbeiter und vor allem zu unseren Kunden.

Was hast du persönlich aus der Erfahrung gezogen, diese Geschichte mit so vielen anderen Menschen auf der Bühne zu teilen?

Insgesamt war die Teilnahme am Speaker Slam eine transformative Erfahrung für mich. Es hat mir gezeigt, dass es möglich ist, gleichzeitig witzig und ernst zu sein und eine klare Botschaft zu vermitteln. Mein Anliegen ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig faire Bezahlung und Wertschätzung im Handwerk sind. Denn nur wenn wir alle fair bezahlt werden und uns gegenseitig wertschätzen, können wir erfolgreich und glücklich sein – als Chefs und als Mitarbeiter. Lasst uns doch gemeinsam dafür sorgen, dass das Handwerk die Anerkennung bekommt, die es verdient.