Digitale Lösungen für den Friseursalon

Vorbei die Zeiten, in denen Digitalisierung nur für große Unternehmen ein Thema war! Auch für kleine Betriebe wie Friseursalons macht die Umstellung von analog auf digital durchaus Sinn. Doch von welchen digitalen Lösungen kann ein Salonunternehmer eigentlich profitieren? Wir haben Alexander Henn , Mitgründer und Geschäftsführer von Shore, gefragt.

Digitalisierung der Friseurbetriebe

Digitalisierung der Friseurbetriebe © Fotolia

Herr Henn, Sie haben das Start-up Shore gegründet und bieten Digitalisierungslösungen für kleine Dienstleister an. Ist das nicht eher ein Thema für große Unternehmen?
Richtig ist, dass die Digitalisierung bisher vor allem für große Unternehmen und Mittelständler relevant war. Richtig ist aber auch, dass sich kleine Unternehmen verstärkt mit dem Thema beschäftigen sollten, denn die Digitalisierung kommt nach und nach auch unten an – und das mit großer Geschwindigkeit. Diese kleinen Dienstleister, und dazu zähle ich auch Friseurbetriebe, sollten nicht den gleichen Fehler machen wie viele Mittelständler und Konzerne: Sich erst dann mit dem Thema beschäftigen, wenn es sie eingeholt hat.

Aber ein Friseurbetrieb hat weder eine aufwändige Produktion zu organisieren, noch muss er große Datananalysen fahren oder seinen weltweiten Vertrieb optimieren.
Das stimmt. Aber auch im Kleinen gibt es immer mehr Prozesse, die durch digitale Lösungen vereinfacht, automatisiert und professionalisiert werden können. Darüber hinaus gibt es viel Potenzial, um den Kundenservice zu verbessern oder durch Marketingmaßnahmen neue Kunden zu gewinnen. Nehmen Sie das Handy als Gegenbeispiel: Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass ein normaler Bürger heute ein Smartphone besitzt, das ihm durch seine enorme Rechenleistung ermöglicht, E-Mails zu schreiben, Flüge zu buchen, Serien zu streamen oder Videocalls von unterwegs aus zu führen.

Aber können Sie das für das Friseurhandwerk ein wenig konkreter machen? Von welchen digitalen Lösungen kann ein Friseur – sagen wir, er hat 10 Mitarbeiter – konkret profitieren?
Nehmen Sie das Beispiel „Online-Terminbuchung“. Früher mussten Sie als Kunde während der Öffnungszeiten anrufen und umständlich einen freien Termin finden. Durch die Online-Terminbuchung können Kunden online noch abends um 22:00 Uhr ganz bequem einen freien Termin wählen. Und schönes Zusatzfeature: Sie erhalten vom System eine automatisierte Erinnerungs-E-Mail oder -SMS. Der Kunde fühlt sich wertgeschätzt, nimmt den professionellen Service wahr und für Ihren Salon reduziert sich die Terminausfallquote merklich – und das ist bares Geld.

Aber es steckt doch sicher mehr hinter der „Digitalisierung“ als die Buchung eines Termins?
Ja, damit fängt es im Grunde erst an. Sie können als Friseur die generierten Kundendaten in einem Kunden-Management-System speichern, sofern der Kunde einverstanden ist. Der Vorteil: Wenn Sie diese Daten in einer Kundendatenbank anlegen, lassen sich wichtige Informationen zum Kunden festhalten und er kann noch individueller betreut werden. Dort wird dann automatisch erfasst, wann ein bestimmter Kunde zum letzten Mal den Salon besucht hat. Sie können notieren, mit welcher Haarfarbe er besonders zufrieden war – oder sie hinterlegen ein Foto, wenn die Zufriedenheit einmal besonders hoch war. Dazu vielleicht noch persönliche Notizen, zum Beispiel, wie der Kunde seinen Kaffee trinkt. So lässt sich noch viel individuellerer und gleichzeitig professionellerer Kundenservice bieten.

Alexander Henn

Ein effizientes Tool für das digitale Salon-Management

Sie sprachen vorher auch das Thema Marketing an. Wie kann denn ein kleiner Friseursalon mit begrenzten Mitteln Marketing betreiben?
Ebenfalls mit dem erwähnten Kunden-Management-System. Hier können Sie Kundengruppen segmentieren. Beispielsweise alle Kunden, die schon seit über drei Monaten nicht mehr im Salon waren. Diesen können Sie dann ein spezielles Angebot für Ihren nächsten Besuch per E-Mail unterbreiten. Gleichzeitig können Sie in Newslettern über aktuelle Angebote informieren, neue Mitarbeiter vorstellen oder über die jüngsten Trends im Friseurgewerbe informieren. So erhöhen Sie die Kundenbindung und die Besuchsfrequenz – und generieren so mehr Umsatz. Darüber hinaus kann man durch Suchmaschinenoptimierung, Google Adwords und andere Maßnahmen seine Präsenz im Web massiv erhöhen. Auch Kundenfeedback lässt sich viel einfacher und effizienter erfassen.

Inwiefern?
Sie können beispielsweise nach einem Termin automatisiert eine SMS aussenden, bei der Ihr Kunde um dediziertes Kundenfeedback gebeten wird. Der Effekt: Sie als Salonbetreiber bekommen weitaus umfassenderes Feedback als wenn Sie nach dem Termin mündlich nachfragen. Darauf können Sie aufbauen und an den Schwachstellen ansetzen. Der Kunde wiederum fühlt sich und seine Meinung wertgeschätzt.

Gibt es noch weitere Anwendungsszenarien für Friseure?
Etliche, beispielsweise einen digitalen Schichtplan, Apps für Friseursalons oder eine digitale Kassenlösung. Wir haben beispielsweise Kunden, die mit einem digitalen Kassensystem automatisiert Statistiken und Diagramme anzeigen lassen können. So haben sie immer einen Überblick über die Umsätze ihrer Kunden für erbrachte Leistungen und den Verkauf von Haarprodukten. Das ist auch eine Motivationsmaßnahme, wenn Mitarbeiter sehen können, wie viel Umsatz sie pro Monat gemacht haben.

Und wie sieht das Ganze preislich aus? Schließlich dürften die Budgets gerade bei kleinen Salons begrenzt sein?
Der Punkt ist, dass diese Lösungen immer günstiger werden, da die Anzahl von Anbietern steigt – in erster Linie Start-ups. Außerdem ist die Frage ja immer: Was bekomme ich zurück? Wenn Sie beispielsweise durch die automatische Terminerinnerung zwei Terminausfälle verhindern können, ist die monatliche Gebühr für die Software oftmals schon bezahlt. Und da reden wir noch nicht von potenziellen Neukunden.

 

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