Bernd Heier: "Quick and dirty gibt es bei mir nicht!"

Bernd ist der Boss! Oder vielmehr der BOS. So heißt nämlich sein erfolgreicher Salon – eine Kombination aus Damensalon und Barbershop. Bernd Heier hatte sein erstes halbes Jahrhundert längst hinter sich, als er im November 2016 seinen Traum verwirklichte und den ersten eigenen Salon im schwäbischen Weilimdorf eröffnete. Und der schlug sofort ein wie eine Bombe! Innerhalb kürzester Zeit schaffte es Bernd, sich und sein Geschäft in ganz Baden-Württemberg bekannt zu machen. Das Medieninteresse ist groß, prominente Gäste geben sich die Klinke in die Hand. Sein Erfolgsgeheimnis verrät euch der FMFM-Artist im Interview mit Gabriela Contoli.

Bernd Heier hat sich mit BOS Barber seinen Traum erfüllt

Bernd Heier hat sich mit BOS Barber seinen Traum erfüllt © www.schwarzweissliebe.de/ www.facebook.com/schwarzweissliebe

Dein Salon und Barbershop ist noch nicht mal 2 Jahre alt und schon bist du vom Playboy zum besten Barbershop in Baden-Württemberg gekürt worden, gehörst zu den Sternefriseuren und warst in diesem Jahr bereits Anwärter auf den Top Salon des Jahres 2018. Wie geht denn sowas?
Bernd Heier: Indem ich mir in den letzten beiden Jahren keine ruhige Minute gegönnt habe, viel Zeit und Energie in mein Konzept gesteckt habe und dabei auch über die Salontüre hinausgeschaut habe. Ganz ehrlich, anders geht es auch nicht! Mein Steuerberater hat zu mir gesagt: „Was Sie in einem Jahr geschafft haben, schaffen die meisten in 10-15 Jahren nicht."

"Wir haben den Salon immer noch nicht eröffnet!"

 

Wie erklärst du dir diesen Turboerfolg?
Zunächst muss unbedingt ein Businessplan her! Du musst einfach wissen, wo du hinwillst und in 5 Jahren aufgestellt sein willst. Und, ganz wichtig, dir muss bewusst sein, dass du erst mal kleine Brötchen backen musst, selbstverständlich bei vollem kräftezehrenden Einsatz. Als ich im November 2016 aufmachte, habe ich nach dem Prinzip „reinkommen, drankommen“ bedient. Wir haben niemanden weggeschickt. Feierabend hatten andere! Wer warten musste, den haben wir mit einem kühlen Bier oder einen guten Whiskey, verwöhnt und ließen ihn an unseren vielen coolen Männerprodukten schnuppern. Wir haben dem Mann gezeigt, wie seine Wohlfühlatmosphäre aussieht. Heute ist das immer noch so, aber es geht nur noch mit Terminen. Bei uns kann man 24/7 online buchen. Wir hatten von Anfang an so viel zu tun, dass wir bis heute keine offizielle Saloneröffnung feiern konnten und schau mal, hier hängen sogar noch Kabel von den Decken.

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"Man muss alles geben!"

 

Wie hast du es geschafft, innerhalb kürzester Zeit deinen Salon fast komplett auszulasten? Doch nicht nur durch Laufkundschaft?
Nein, wobei wir schon viele Kunden allein durch den Blick in unser Schaufenster neugierig machen. Meine Kundschaft kommt inzwischen aus ganz Baden-Württemberg, viele auch aus Stuttgart. Ich habe von Anfang an in eine coole und professionelle Homepage investiert, bin hyperaktiv in Sachen Social Media und sorge dafür, dass die Presse über uns spricht und berichtet. Erst vor wenigen Tagen kam ein toller Beitrag auf Regio-TV und am 27.4. wird der SWR in seiner Primetime um 20.15 Uhr in der Sendung "Expedition in die Heimat" über unser Geschäft berichten. Darüber hinaus waren wir auch bei lokalen Messen wie der EuroMotor oder „Made in Stuggi“ mit einem eigenen Stand präsent. Jeden zweiten Samstag arbeite ich nachmittags mitten im Herzen von Stuttgart im Eddie who Pop up-Store und mache den Sneakerliebhabern, die sich dort ihre eigenen Schuhe designen lassen können, ihre Bärte schick. Das alles sind Maßnahmen, mit denen wir unser Geschäft und Konzept im Handumdrehen bekannt machen und auslasten konnten. Man muss seinen Radius permanent erweitern, wenn man sich die Kunden aussuchen will und möchte, dass es läuft.

"Dann zahlen Sie halt nix!"

 

Wie erkennt der Mann seine Wohlfühlatmosphäre?
Hauptsächlich über die Einrichtung, aber auch viel über den Geruch. Deshalb ist mein Barbershop gleichzeitig auch ein Conceptstore mit vielen verschiedenen Produktserien und Accessoires aus 5 Kontinenten. Da sind viele Marken dabei, die haben einen echten Exklusivcharakter, sowohl in der Verfügbarkeit als auch in Sachen Duft- und Pflegeerlebnis, inklusive meinem eigenen Label BOS. Viele Männer finden das toll und legen Wert auf ihre individuelle Pflege. Wenn Frauen hier reinkommen und für ihre Männer einen Gutschein kaufen wollen, frage ich aber immer ganz offen, ob ihre besseren Hälften das auch wirklich 1,5 Stunden auf dem Stuhl aushalten. Denn nicht alle Männer können Luxus genießen! Diejenigen, die das können, sind dann allerdings auch Wiederholungstäter. Ich sage immer, wir Barber sind die besten Paartherapeuten. Wenn sich ein Mann nach seinem beruflichen Stress bei uns verwöhnen lässt, kommt er relaxt nach Hause und hat seinen angestauten Jobfrust schon beim Barber abgebaut. Eine Goldgrube für uns und ein Segen für die Familie.

Deine Behandlungspreise liegen ja auch eher im obersten Segment. Wird das in einem Örtchen wie Weilimdorf bedingungslos akzeptiert?
Wir wissen, was wir bieten und wissen auch, was wir wert sind. Die meisten unserer Kunden wissen das auch. Es kommt aber, wenn auch selten, vor, dass ein Kunde beim Bezahlen staunt: „Das ist aber teuer!“ Dann sage ich: „Wissen Sie was, dann zahlen Sie nix!“ Der Kunde ist dann so perplex und beschämt, dass er natürlich trotzdem bezahlt. Wir möchten Kunden bedienen, die Wert darauflegen, empathisch, ohne Hektik und gründlich behandelt zu werden. Denn die Dienstleistung hört bei mir nicht bei der Dienstleistung auf. Ich betrachte meine Kundinnen und Kunden ganzheitlich, entferne z. B. auch mal Nasenhaare oder Haare im Gesicht. Das ist für mich selbstverständlich und meine Pflicht. Quick and dirty gibt es bei mir nicht! Und das hat auch seinen Preis!

"Endlich kann der Mann seine Bedürfnisse ausleben!"

 

Hat die ganze Barbergeschichte nicht langsam ihre Pieke erreicht?
Nein, überhaupt nicht! Das Thema Barber war eine längst überfällige, schwelende Kraft, die sich nun endlich entfaltet. Der Mann bekennt sich zu seinen Pflege-Bedürfnissen und freut sich auch über wohltuende Berührungen. Barbershops sind cool, die Männer fühlen sich wieder wertiger und nehmen gerne ein gutes Gefühl mit nach Hause. Im Prinzip hatte der Mann immer schon diese Bedürfnisse, durfte sie früher nur nie ausleben.

Wo siehst du dich und dein Konzept in 5 Jahren? I
Ich möchte eine Arbeitgebermarke werden und mit Top-Mitarbeitern unser Konzept weiter nach vorne bringen. Dabei ist es wichtig, sich permanent weiterzuentwickeln, mit guten Leuten zusammenzuarbeiten und wichtige moderne Erfolgsgaranten wie z. B. Digitalisierung im Salon in Angriff zu nehmen. Ich lasse wirklich nichts aus, um mein Konzept nach außen zu präsentieren. Für unsere Branche wünsche ich mir, dass es noch mehr Kollegen gibt, die so denken wie ich und wieder vermehrt auf Leistung und Service im Tagesgeschäft umsteigen. Entschleunigter, genauer und menschlicher statt schneller, billiger und unpersönlicher! Dann werden wir Friseure sicherlich auch wieder mehr wertgeschätzt.

www.berndheier.de

 

 





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