Jetzt oder nie! Sind 7% MwSt. ein Rettungsring für die Zukunft der Branche?

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Wir brauchen eine Zukunft, wir brauchen eine Senkung der MwSt. auf 7% – das ist die Forderung, die auch unsere Artists zu 100% unterstützen.
Wir brauchen eine Zukunft, wir brauchen eine Senkung der MwSt. auf 7% – das ist die Forderung, die auch unsere Artists zu 100% unterstützen.

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Die Friseurbranche hat Fieber, das ist ein offenes Geheimnis. Pandemie und Lockdown haben die Lage zusätzlich so verschärft, dass selbst nachhaltig wirtschaftenden Betrieben langsam die Knie weich werden. Mit der Petition zur Senkung der Mehrwertsteuer sollen jetzt entscheidende Weichen für eine bessere Zukunft gestellt werden. Wir haben FMFM Artists gefragt, warum die Initiative 7% ein Gamechanger für die Zukunft des Handwerks sein könnte.

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Friseure machen Dampf – und ihre Forderung ist klar: die Senkung der MwSt. auf 7%! Warum von diesem Schritt die weitere Zukunft der Branche abhängt und worin genau die Vorteile der Initiative liegen, erklären die FMFM Artists Heiko Schneider, Thorsten Hussfeld, Concettina Domenica Michaelis, Michi Jung und Rena Rados.

„Die Chancen auf Erfolg standen noch nie so hoch.“

Heiko Schneider ist einer der Mit-Initiatoren der Kampagne Heiko Schneider ist einer der Mit-Initiatoren der Kampagne

Ich bin überzeugt, dass es jetzt so wichtig wie nie ist, die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Branche wiederherzustellen. Aufgrund der Pandemie wurde die ohnehin schon prekäre Situation noch mal verstärkt. Dazu kommt die Erhöhung des Mindestlohns im Herbst. Laut Statistischem Bundesamt existieren mehr als 30.000 angemeldete Kleinunternehmen, die keine Umsatzsteuer bezahlen. Darunter leiden die steuerpflichtigen, größeren und strukturierten Betriebe enorm. Für die Zukunft des Handwerks sind letztere aber notwendig. Oder wer bildet sonst unseren Nachwuchs aus? Diese Betriebe brauchen eine wirtschaftliche Basis, um weiterhin existieren und in den Bereichen der Ausbildung und Digitalisierung investieren zu können. Chancen?  Dank der EU-Verordnung für arbeitsintensive und von Schwarzarbeit stark betroffene Branchen gibt es einen politischen Rahmen, der die Chancen auf Erfolg im Gegensatz zu den vergangenen Initiativen um ein Vielfaches erhöht hat. Von Herstellern über Zulieferer bis zu den Friseuren – jeder setzt sich für die Senkung der MwSt. ein, auch das ist ein Unterschied zu den Petitionen in der Vergangenheit. Vorteile? In unterschiedlicher Gewichtung kommt eine Senkung der MwSt. von 19 % auf 7 % allen zugute: Den Kunden insoweit, als unsere Preise nicht überproportional steigen, sondern relativ stabil bleiben. Es könnten bessere Löhne gezahlt werden, was wiederum den Beruf attraktiver machen würde. Und für die Unternehmen würde auch ein Teil für Investitionen übrig bleiben, um wieder Rücklagen zu bilden.

„Die Branche hat die Chance, für eine gemeinsame Sache einzutreten“

Concettina Domenica Michaelis Concettina Domenica Michaelis

Ich habe bereits in der Vergangenheit den Aufruf nach einer Senkung der Mehrwertsteuer unterstützt und bin auch dieses Mal voller Tatendrang dabei. Denn es ist wichtig, dass wir uns wieder neu aufstellen und die Verluste der Pandemie ausgleichen beziehungsweise das Depot an Rücklagen wieder auffüllen können. Jetzt mehr denn je. Auch ich muss mir meinen Puffer wieder aufbauen, um neue Investitionen im Salon tätigen zu können. Ich wüsste auch schon ganz genau, in was ich als erstes investieren würde: Fortbildungen in Haarverlängerung, Workshops etc. Die Vorteile einer Senkung der Mehrwertsteuer würden natürlich auch meinen Kunden zugute kommen, denn ich könnte die Preise temporär stabil halten. Was mich besonders an dieser Initiative freut, ist, dass die Branche die Chance hat, zusammenzurücken und für eine gemeinsame Sache einzutreten, die tatsächlich allen helfen würde.

„Ich würde sogar das Kleingewerbe in unserer Branche abschaffen.“

Thorsten Hussfeldt Thorsten Hussfeldt

Das Thema ist eigentlich eine schon überfällige Geschichte. Wir haben hier nicht nur ein Ungleichgewicht zu anderen Dienstleistern (wie Gastronomie und Hotellerie), sondern befinden uns auch in einer Zwickmühle. So kann man nicht unendlich die Preise erhöhen, um alle Kosten zu decken und Rücklagen für Investitionen zu bilden. Denn das birgt die Gefahr, dass der Laden irgendwann leer bleibt – auch Kunden haben eine Schmerzgrenze, egal in welchem Preissegment der Salon liegt. Was ich nicht verstehe ist, warum einige Friseure die Notwendigkeit einer solchen Senkung nicht sehen? Dass die Mehrwertsteuer ein durchlaufender Posten ist, weiß ich auch. Fakt ist doch aber, dass man bei einem bestimmten Umsatz mit 7 % Besteuerung mehr einbehält als mit 19 % MwSt. Unterstützung? Ich bin ehrlich entsetzt darüber, dass unsere Repräsentanten aus der Innung keine aktive Rolle bei der Forderung spielen. Denn für mich ist der Zeitpunkt des Handelns schon überschritten. Wie ich in einem offenen Brief an die Innung Stuttgart während des zweiten Lockdowns schrieb, wären die Maßnahmen einer Senkung der MwSt. im Laufe der Pandemie wesentlich angebrachter gewesen als Soforthilfen, die man dann zurückerstatten muss. Chancen? Ich würde es mir wünschen, dass wir so laut werden, dass die deutsche Politik dafür jetzt ein offenes Ohr hat. Man könnte natürlich auch einfach das Kleingewerbe in unserer Branche abschaffen. Damit hätten wir alle – Staat inklusive – eine Win-win-Situation.

„Es würde mich wundern, wenn die leeren Staatskassen eine Senkung durchwinken.“

Michi Jung Michi Jung

Die Kombination aus Echo der Pandemie, steigenden Energiepreisen und neuen Mindestlöhnen ab Herbst machen eine Senkung der Mehrwertsteuer eigentlich unumgänglich. Vor allem für die Salons, die nicht im hochpreisigen Segment arbeiten bzw. schlecht kalkuliert haben, könnte das Jahr 2022 ohne Senkung der Mehrwertsteuer das Letzte sein. Zeitpunkt? Auch wenn die Forderung nach Mehrwertsteuersenkung für die Friseurbranche ein alter Hut ist, so ist sie jetzt angebrachter denn je. Viele müssen die Soforthilfen zurückzahlen, und die Rücklagen haben sich auch in den letzten zwei Jahren in Luft aufgelöst – ausgeschlossen Cutforfriends, denn ich habe schon im Vorfeld ordentlich kalkuliert. Wie so viele meiner Kollegen bin auch ich der Meinung, dass eine ordentliche Kalkulation bei vielen Friseuren in den Vorjahren die Brisanz des Lockdowns abgeschwächt hätte. Chancen? Bleibt abzuwarten, ob die Forderung Gehör findet oder ob sie wie in der Vergangenheit im Sand verläuft. Es würde mich tatsächlich wundern, wenn die leeren Staatskassen eine Senkung durchwinken. Hoffen wir mal, dass ich mich irre! Denn das eingesparte Geld der MwSt. ist eine gut angelegte Investition in die Mitarbeiter. So würden ansprechende Gehälter die Zukunft der Branche langfristig sichern.       

„Das starke Desinteresse an so einem wichtigen Thema wundert mich.“

Rena Rados Rena Rados

Ich wundere mich tatsächlich, woran es liegt, dass die Friseure die Initiative nicht zu 100 % unterstützen. Seit Tagen grübele ich über den Fakt, dass ein so großes Desinteresse an so einem wichtigen Thema vorliegt. Eine Kollegin hatte mir sogar geschrieben, dass die Initiative ja nichts Neues wäre; man hätte es schon vor 20 Jahren versucht – leider ohne Erfolg. Soll das die Entschuldigung sein, jetzt nichts zu tun? Vor 20 Jahren gab es noch keine Billigsalons, geschweige denn so viele Kleinunternehmerregelungen, vom Internet und Social Media – Stichwort Schwarzarbeit – mal abgesehen. Für mich macht es einen Unterschied, 7 % Umsatzsteuer abzugeben und nicht 19 %. Das haben wir doch schon bemerkt, als es von 16 % auf 19 % hochging. Mit einer Senkung der Mehrwertsteuer müsste ich trotz steigender Inflation (zurzeit liegen wir bei 7,7 %) die Preise nicht überproportional anpassen, sondern könnte sie stabil halten. Schließlich ist kein Kunde bereit, unendliche Preiserhöhungen in Kauf zu nehmen – egal, welches Preissegment man mit dem Salon vertritt. Chancen? Wenn der Staat kurzfristig Benzin subventionieren kann, um den Endverbraucher zu entlasten, sollte eine MwSt.-Senkung, die eine Dienstleistungsbranche langfristig unterstützt, doch kein Problem sein, oder?!

 

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