Maximiliano Garigliano, Sweeney Todd Leonberg: „Barber sein ist ein Gefühl“

No entry for women! Ich fühle mich geehrt, denn bei mir macht der neue Leonberger Kultbarber Maximiliano Garigliano eine Ausnahme. Aber ich komm` ja auch nicht zur Bartpflege, sondern zum Interview! Und trotzdem bin ich sofort neidisch, als ich Sweeney Todd betrete. Männer haben es echt gut! Kein Unisex-Kram, Whisky und Zigarren statt Ayurveda-Tee und Dinkelkekse! Playboy statt Brigitte! Sweeney Todd ist einer der Salons, die den Bedürfnissen in Sachen Männlichkeit gefährlich nahekommen. Und absolut nichts für Weicheier! Zugegeben an dem einen oder anderen Macho-Klischee wird hier auch nicht unbedingt gespart. Aber wir Frauen müssen auch gönnen können, oder? Männer haben jedenfalls ihren Platz gefunden, und was für einen! Der Friseurbesuch als Bekenntnis zur Männlichkeit! Maximal bei Maximiliano!

Vorzeigebarber Maximiliano aus Leonberg

Vorzeigebarber Maximiliano aus Leonberg

Erst vor wenigen Wochen erfüllte sich der 35jährige Italiener und gebürtige Stuttgarter seinen Traum:  einen Barbersalon. Nachdem sich seine Lebensgefährtin, mit der er bis Ende 2016 einen Unisexsalon zunächst in Biberach und dann in Leonberg führte, Ende letzten Jahres aus dem Friseurberuf verabschiedet hatte, packte er die Gelegenheit beim Bart und verwirklichte seine frauenfreie Friseurzone.

Maximiliano, was hast du gegen Frauen?

Gar nichts, im Gegenteil! Ich lebe seit Jahren mit der tollsten überhaupt zusammen, aber meine weiblichen Kunden waren mir oftmals echt zu energieraubend. Da kommt z. B. die gelangweilte und nicht mehr ganz frische Industriellengattin und will exakt so aussehen wie das getunte Top-Model auf dem Instagram-Foto. Wenn ich ihr dann sage, was man alles verändern muss, um sich diesem Look anzunähern, ist sie dazu nicht bereit. Aber wie soll das gehen? Ich bin Friseur, kein Magier! Oder die andere Kundin, die mit drei Haaren auf dem Kopf vorbeikommt und jetzt gleich und heute und sofort sich von schwarz auf hellblond umfärben lassen möchte. Wenn man diese Kundin dann berät und ihr zu erklären versucht, warum das so nicht funktioniert, denkt sie, man will es nicht tun, weil man es nicht kann. Frauen sind oft sehr beratungsresistent, das hat mich tierisch genervt. Ganz zu schweigen von typisch weiblichen Themen wie „Die Schuhe von meinem Sohn sind schon wieder zu klein“ oder „Meine Diät funktioniert nicht“.

Und Männer ticken da völlig anders?

Ja, definitiv. Das ist alles viel relaxter. Wenn ich einen Mann bediene, muss ich mich nicht verstellen und kann frei Schnauze reden. Männer sind irgendwie pflegeleichter, können besser genießen und lassen sich dankbar beraten. Bei uns geht kaum ein Mann raus, ohne ein Produkt für die Heimpflege mitzunehmen. Das muss ich dem aber noch nicht mal aufschwätzen, sondern das gönnt der sich freiwillig! Die Atmosphäre unter uns Männern ist einfach total entspannt, bei Sweeney Todd gibt es nur „du“ und nicht „Sie“. Das macht den Umgang gleich viel leichter. Männer gehen einfach kerniger, ehrlicher und direkter miteinander um als Frauen. (Da muss ich ihm augenzwinkernd recht geben)   

Männer haben ihren eigenen Lifestyle

 

Jaja, beim Barber ist der Mann noch ein Mann! Harter Kerl mit breiter Schulter, langem Bart und Ganzkörper-Tattoo! Muss ein Barber zwingend so sein?

Barber sein ist ein Gefühl. Und für mich gehört dieser Look dazu. Das sehen sicherlich nicht alle so und es gibt ja auch die unterschiedlichsten Salonkonzepte. In meinem Salon bin ich ganz Barber, cool und gelassen, aber zuhause bleibt der Barber draußen. Da hält meine Lebensgefährtin das Ruder in der Hand! Aber immerhin mag sie meinen Bart.

 Beschreibe doch mal dieses Gefühl, Barber zu sein. Was fasziniert dich daran so?

Ich liebe dieses Handwerk und den Umgang mit Männern, wie ich ihn eben schon beschrieben habe. Das bin ich und das ist einfach mein Ding. Ich liebe die Herausforderung, Gepflegtheit in grobe Optik zu bringen und finde es einfach geil, dass Männern ihre Frisur und ihr Bart endlich wieder was wert sind. Die Metrosexualität hat sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet, Männer legen wieder Wert auf ihr Äußeres, verwenden eigene Kosmetikprodukte, zelebrieren ihre Pflegerituale und freuen sich über ein männliches Ambiente. Vorbei die Zeiten, in denen unter der Brause einfach das Duschgel der Freundin für die Haare benutzt wurde. Männer haben und pflegen endlich ihren eigenen Lifestyle – und zwar so männlich wie schon lange nicht mehr.

Positives Image halten

 

Meinst du, das bleibt so? Oder ist der Barberhype eher Trend als Establishment?

Es mag sein, dass der Bartkult irgendwann wieder verschwindet, aber ich bin mir sicher, dass sich der Barbershop langfristig etablieren wird. Denn das Bedürfnis nach männlichen Pflegeritualen in einem eigenen  Ambiente, das alle männlichen Ansprüche bedient, wird bleiben. Schließlich ist der Barbershop neben dem Striplokal der einzige und letzte Ort, wo der Mann wirklich mal ohne die Frau hingehen darf.

Was muss ein authentischer Barber können?

Er muss Haare schneiden und rasieren können. Wichtig sind dabei Formgefühl und ein sehr gut geschultes Auge, denn bei Herrenhaarschnitten und Bärten kommt es meist auf Millimeter an. Kenntnisse über Typenlehre sind definitiv von Vorteil, welche Bartform passt zu welchem Gesicht? Das ist wichtig, denn sonst kann ein Bart noch so akkurat geschnitten sein und sieht trotzdem nach nichts aus. Mit der Bartform kann man optisch so viel verändern: die Gesichtsform, die Nasenform, Frisurenumrisse und die Seitenform. Zum Beispiel darf man bei einer eher runden und korpulenten Gesichtsform nur eckig arbeiten. Eine lange Nase hingegen kann ich nur ausgleichen, wenn ich den Oberlippenbart voller lasse, sodass der Abstand zwischen Nase und Lippe kleiner wird. Idealerweise ist ein Barber ein Friseur!

Wie wichtig ist die Ausbildung für einen Barber?

Barber ist leider nicht gleich Barber. Die Ausbildung ist dabei sehr wichtig, um das Image unserer Zunft positiv zu halten. Es gibt viele, die zum Beispiel den Bereich Herrenhaarschnitte gar nicht bzw. nicht ausreichend gelernt haben. Die kommen dann technisch schnell an ihre Grenzen.  Oder noch schlimmer: die gar keine Friseurausbildung haben und trotzdem illegal Haare schneiden. Auch Hygiene ist ein Riesenthema bei der Ausbildung zum Barber. Dank vieler nicht geschulter Barber ist die Bartflechte, eine Art Schuppenflechte, leider wieder groß im Kommen. 

Was Sweeney Todd mit Johnny Depp zu tun hat

 

Du selber bildest auch aus?

Nicht direkt, da ich kein Meister bin. Aber ich arbeite als freiberuflicher Dozent, z. B. an der Deutschen Friseurakademie in Ulm. Es macht mir großen Spaß, mein Wissen und meine Leidenschaft an Kollegen weiterzugeben. Mich kann man jederzeit für Barberseminare buchen. Derzeit erarbeite ich mit der DFA ein Zertifizierungs-Seminar für Barber, das 4 Wochen dauert und alle Themen beinhaltet, die einen guten Barber ausmachen.

Worauf sollte der Kunde achten, wenn er auf der Suche nach einem Barbershop ist?

Wenn ein Kunde wirklich einen authentischen, gut ausgebildeten und qualitativ hochwertig arbeitenden Barber sucht, sollte er zunächst vor allem mal auf die Preisgestaltung des Shops achten. Wer für 6,50 Euro eine Nassrasur und für 7,20 Uhr einen Herrenhaarschnitt anbietet, der muss zwangsläufig im Akkord arbeiten, um auf seine Zahlen zu kommen. Außerdem sollte der Kunde sich den Salon vorher mal anschauen, um zu checken, ob die Hygiene stimmt. Vielleicht gibt es auch eine gut gemachte Homepage, aus der man auch schon vieles herauslesen kann.

Dein Barbersalon in Leonberg heißt „Sweeney Todd“. 

Ja, da gab es mal einen Film, der lief 2007 mit Johnny Depp in den Kinos. Darin geht es um einen mörderischen Barbier namens Sweeney Todd, der in Londons Fleet Street einen blutrünstigen Rachefeldzug startet, nachdem er von einem bösen Richter ins Exil geschickt wurde und dieser Todd`s Frau brutal vergewaltigte. Den Film fand ich so cool und der Name „Sweeney Todd“ hat mir so gut gefallen, dass ich ihn für meinen Salon genommen habe. Ich finde, „Sweeney Todd“ bringt  1:1 das Barbergefühl rüber.

Aber vor allem auch deine sehr spezielle Einrichtung…mit sehr viel Liebe zum Detail

Ich bin insgesamt 3000 km gefahren, um diese Einrichtung zusammenzustellen. Auch hier war mir Authentizität wichtig. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich alles zusammen hatte. Einer meiner zwei Bedienstühle hat bald 100 Jahre auf dem Buckel, er stammt aus einem Barbier-Nachlass und ist aus dem Jahr 1918.  Ich habe fast alles im Internet gefunden und bin nach Köln, Frankfurt, Straßburg, und sogar bis in die Schweiz gefahren, um alles einzusammeln. Meine Lieblingsstücke sind die Chippendale-Kommode, die ich als Produktschrank nutze, das alte Klavier, das Chesterfield-Sofa und die nostalgische Kasse. Alles im 50er Jahre Stil!

War das die große Barberzeit?

In Deutschland nicht, da war der Beruf des Barbiers eher schon wieder rückläufig, denn im Zweiten Weltkrieg waren ja so viele deutsche Soldaten gefallen, dass es an Männern mangelte. Da lohnten sich Barbershops damals nicht mehr. In Ländern wie Italien oder England hingegen konnte sich die Zunft bis heute permanent halten.

Das Rätsel um die Barberpole

 

Was hältst du von der deutschen Barberszene?

Wir brauchen uns in Deutschland nicht zu verstecken. Die Barberszene ist nach wie vor sehr stark am Wachsen. Es gibt viele hochkarätige Barbiere in Deutschland, die ein gutes Business machen. Natürlich sind England und Amerika nach wie vor führend in unserer Zunft und hier holen wir uns auch die Inspiration für unsere Shops. Bei der Einrichtung meines Salons wollte ich einen Stilmix aus englischer Klassik mit amerikanischer Coolness herstellen. Man kann auch sagen, so ein bisschen „dreckiges Vintage“.

Hast du ein Vorbild?

Wenn, dann auf jeden Fall die Schorem Barbers aus Rotterdam. Die haben die Barberszene in Deutschland definitiv gehypt. Die sind einfach nur dreckig, das ist so dermaßen cool! In den Sozialen Medien gehen die beiden ab wie Schnitzel und können wirklich auch was. Selbst meine Kunden kennen die Schorems! Ich hoffe, dass die bald Seminare in deutscher Sprache anbieten. Dann mache ich mich sofort auf nach Holland…

Was ich schon lange mal wissen wollte, welche Rolle spielen beim Thema Barber eigentlich die Farben Rot, Weiß, Blau?

Das sind die Barberpole! Damit bekennt sich ein Barber zu seinem Handwerk und signalisiert dem Kunden, dass hier Herrenhaarschnitte und Bartpflege durchgeführt werden. Ursprünglich steckt hinter diesen Farben allerdings eine ziemlich blutrünstige Geschichte. Da der Barbier schon immer mit scharfem Werkzeug umgehen konnte, wurden im Mittelalter in den Barbershops auch medizinische Eingriffe und Aderlässe durchgeführt. Anschließend hing man die blutigen Verbände dann vor der Tür an einen weißen Pfosten zum Trocknen. Der Wind wickelte die roten Bandagen um den Pfosten und so entstand das streifenförmige Muster, das die Barbiere dazu nutzten, auf ihre chirurgischen Dienstleistungen aufmerksam zu machen und somit mehr Kunden anzuziehen. Irgendwann kam dann der blaue Streifen dazu, vermutlich haben die Amerikaner ihn aus ihrer Nationalflagge entnommen, um ihren Patriotismus zu unterstreichen.

Gabriela Contoli durfte bei ihrem Heimspiel in Leonberg in die heiligen Barberhallen

Noch viele Pläne

 

Wo siehst du dich und deinen Barbershop in 5 Jahren?

Auf jeden Fall hier in Leonberg genau an diesem Standort, aber dann mit mindestens 2 weiteren Mitarbeitern. Demnächst entsteht hier gleich nebenan ein Tattoostudio, das auch zu Sweeney Todd gehören wird. Allerdings aus hygienischen Gründen räumlich durch eine Tür abgetrennt. Ich freue mich schon auf diese geile Symbiose aus Ästhetik und Kunst! Und wenn alles gut läuft, wird es bei Sweeney Todd Ende des Jahres auch noch kulinarisch. Hier links ist derzeit noch ein kleiner Supermarkt, der Pächter will aber aufgeben. Ich träume von einer coolen Bar im 50s Style, passend zu meiner Einrichtung.

Dürfen dann da auch Frauen rein? 

Wenn sie nicht zu viel quatschen und ordentlich Bier trinken…

About

Maximiliano Garigliano
35, geboren in Stuttgart, Italiener

Friseurlehre in Höfingen, Kertu Stuttgart, J.7 Ludwigsburg Breuningerland, Keller the school Sindelfingen, Franchisepartner Hair`n More Friedrichshafen, Salon Onyx St. Gallen Schweiz, eigener Salon in Biberach, eigener Unisex-Salon in Leonberg, seit Januar 2017 Barbersalon „Sweeney Todd“ in Leonberg

Auszeichnungen und Qualifikationen
Finale Color Trophy (L`Oréal) mit J.7-Team, Aufbautrainer und Trendtrainer (Keller the school), Trainer für Demeral in Vicenza, Italien, Dozent bei der Deutschen Friseurakademie (Barber, Geometric-Seminar), Member Barber Convention Club

www.barbershop-leonberg.de

 



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