Samstags kostet die Farbe 20€ extra!

„Warum kostet eine Haarfarbe im gähnend leeren Friseursalon am Dienstagmorgen eigentlich dasselbe wie eine Coloration am Samstagvormittag, wenn der Laden bumsvoll ist?“, fragt sich unsere Kolumnistin. „Begehrte Ferienzeiten sind doch auch teurer als die Nebensaison!“ Eine blonde Frau denkt laut nach.

Sonderpreise mal andersrum: Der Weekend-Zuschlag!

Sonderpreise mal andersrum: Der Weekend-Zuschlag! © Shutterstock / Masson

Es gibt diese Zeiten, in denen man als Kundin fast immer kurzfristig einen Friseurtermin bekommt. Dienstags um 12.30h ist so ein Zeitpunkt. Oder mittwochs gegen 9.30h. Als fast schon naiv, kurzsichtig, treudoof und gar „blond“ gilt Frau, wenn sie beim Lieblingsfriseur eine Woche vorher dagegen einen Color-Termin mit Haarschnitt für Samstag um 11h anfragt. Da kann sich die Rezeptionistin das Lachen kaum verkneifen, kaschiert es akustisch jedoch geschickt mit lautem Rascheln im Terminbuch – und bietet ein Date für Dienstagmorgen an. Hahaha. Und manch einer denkt: „Da kann ich nicht. Oder ich will nicht. Denn selbst wenn ich mir den Vormittag freinehmen würde, dann sicher nicht, um in der Zeit zum Friseur zu gehen. Das mache ich gern samstags. Weil es für mich bequem ist!“ So sind die Menschen eben. Viele jedenfalls. Heißt: selbst wenn es gefühlt kaum einem spontan gelingt, einen „Samstagmorgen-um-11-Uhr-Termin“ als goldenen Schnatz zu fangen, lautet die Erkenntnis weniger: „Dann gehe ich besser an einem anderen Tag, da ist es nicht so voll“, sondern: „Dann muss ich eben früher für den Samstag buchen!“ Alles selbst erlebt.

 

Dabei ist der Samstag beim Friseur doch der lebens- und entspannungsfeindlichste Tag überhaupt. Oder etwa nicht? Der Salon ist zum Bersten voll. Die Mitarbeiter sind unter Dauerstress. Und die Kundin ist beleidigt, wenn die heißgeliebte Handmassage während der Einwirkzeit einer dringend benötigten Zigarettenpause der Friseurin zum Opfer fällt. Kurz: hier ist meiner Meinung nach (zum Wohle aller!) Entschlackung gefragt! Wie wäre es mit flexibler Preisgestaltung? Wenn ich samstags – obwohl die Nachfrage immens ist – den gleichen Preis bezahle wie am Dienstag – warum sollte ich dann die Tage tauschen? Könnte die Haarfarbe mit Schnitt am Wochenende nicht einen Preisaufschlag erhalten, ähnlich den Hotelpreisen bei Messezeiten? Oder den Tankpreisen zu Ferienbeginn? Dann hätten Friseure wenigstens was vom Stress!

 

Andere Branchen machen es vor; Beispiele gibt zuhauf: das Sterne-Restaurant bietet zur besseren Auslastung den Mittagstisch inkl. Hauswein für 35 Euro an. Abends gibt es zu dem Preis fast nicht mal einen Gruß aus der Küche. Warum? Weil alle Tische sowieso gebucht sind! Auch die Airlines zeigen uns seit Jahren, was flexible Preispolitik bedeutet: kostet die Reise nach Mallorca noch Tage vor den Ferien lächerliche 9,99Euro, ähnelt der Ticketpreis schon Stunden später einem geplanten Shuttle-Flug zur ISS. Weil dann eben alle auf gepackten Koffern sitzen (müssen). Einige Onlinehändler wie Amazon und Co. treiben das Zocken perfide auf die Spitze: je nachdem, von welchem mobilen Endgerät aus ich als Verbraucher einen Artikel im Sortiment suche, spucken sie tatsächlich unterschiedliche Preise zum selben Zeitpunkt aus. Die Devise scheint zu sein: Der iPad-Besitzer ist vielleicht finanziell frischer als der eines PCs? Der mit dem iPhone 10 flüssiger als der mit dem Huawei? Es mutet so an. Aber mal ehrlich: Diese Art der marktwirtschaftlichen Preiskeule ist eine Riesensauerei und damit ein No-Go. Weil sie nicht eindeutig ist, Preise verschleiert und weil man sich als Kunde permanent übervoreilt fühlt. Ständig hat man das Gefühl, zum falschen Zeitpunkt zu kaufen, weil man nie weiß, ob ein Produkt heute teurer als morgen oder morgen günstiger als übermorgen ist. Kurz: der Spaß ist hinüber.

 

Was aber spricht gegen klar kommunizierte Preise beim Friseur, die sich am Wochentag und/oder der Tageszeit orientieren? Ich finde das ok. Und ich bin Kundin, nicht Friseurin. Bei uns gibt es einige Salons, die in der Woche morgens Studenten Cut & Color zu Sonderpreisen anbieten, damit ein gewisses Grundrauschen im Salon ist. Könnte das umgekehrt nicht auch funktionieren? Samstags gibt es auf Schnitt und Farbe eben 15-20 Euro Happy-Weekend-Zuschlag. Weil dann alle kommen wollen. Und was begehrt ist, ist eben etwas teurer. Wie woanders auch. Dafür gibt’s dann vielleicht einen Cava, einen Cappuccino oder eine Kur gratis. Weil es ja schließlich nicht um Dumpingpreise gehen kann, ist das ganze dienstags allerdings wieder zum Weekly-Special-Normalpreis zu haben. Ich kenne so einige Bekannte und Freunde, denen der morgendliche Termin an einem ‚toooootal entspannten Dienstag’ plötzlich als eine wahre Fügung erscheinen würde – im Gegensatz zum Samstag, in den ‚dann auch noch der Friseurtermin reingepresst werden muss’. Kein Spaß!

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