„Willst Du wirklich Friseurin werden?“ Da geht doch mehr!

Der Berufswunsch steht: Lilli (rechts) möchte Friseurin werden!
6. März 2023In BusinessVon Judith Lorenzon
Der Berufswunsch steht: Lilli (rechts) möchte Friseurin werden!
6. März 2023In BusinessVon Judith Lorenzon

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„Du willst wirklich Friseurin werden? Mit deinen guten Noten kannst du doch auch etwas Anständiges lernen!“ Das ist die Einstellung vieler Lehrer, wenn es um die Berufswahl ihrer Schützlinge geht. "Eine Frechheit", findet FMFM Artistin Alexandra Simon-Teckhaus, deren Tochter Lilli nach dem Abitur gerne in die Fußstapfen der Mutter treten möchte. Im Interview erklären die erfolgreiche Friseurunternehmerin und ihre Tochter, warum die Entscheidung fürs Friseurhandwerk sehr wohl goldrichtig ist, und warum Alexandra den Lehrern mal reiflich den Kopf gewaschen hat.

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Betrachtet man die Lage am deutschen Arbeitsmarkt, könnte man überspitzt fragen, ob Deutschland zum Land mit der höchsten Fachidiotendichte verkommt? Mittlerweile will scheinbar jeder Schulabgänger studieren, statt eine Ausbildung zu machen. Vor allem im Friseurhandwerk mangelt es massiv an Nachwuchs. Immer noch fest in den Köpfen verankert ist das Image des Schlechtverdieners, der nicht viel in der Birne hat. Viele Lehrer raten ihren Schützlingen sogar von einer Ausbildung in diesem Beruf ab und empfehlen ein Studium. So erging es auch Lilli, der Tochter von Salonunternehmerin Alexandra Simon-Teckhaus. Warum die angehende Jungfriseurin trotzdem bei ihrer Wahl bleibt und wie ihre Mutter reagiert hat, erzählen sie uns im nachfolgenden Interview.

Das Vorurteil ist: „Mit dem Beruf verdienst Du nichts“

Das Image des Friseurhandwerks ist und bleibt schlecht, auch weil Lehrer*Innen und Tutor*Innen den Beruf als nicht erstrebenswert sehen – ganz im Gegensatz zu einem Studium. Welche Erfahrungen hast Du hier gemacht?

Meine Tochter macht gerade Abitur und möchte danach gerne eine Lehre als Friseurin beginnen. Ein Wunsch, der bei Ihren Lehrern auf wenig Begeisterung gestoßen ist. Der beste Spruch hierzu war „Mit deinen guten Noten kannst du doch auch etwas Anständiges lernen!“. Aber auch andere Kommentare wie „Was willst Du denn damit?“ musste sich meine Tochter anhören. Zum Glück weiß sie, was sie will und lässt sich nicht so leicht von ihren gesetzten Zielen abbringen. Es ist schon unverschämt, ein so wichtiges Handwerk wie den Friseurberuf als nicht wünschenswert darzustellen.

Warum haben die Leute Deiner Meinung nach diese negative Haltung gegenüber dem Friseurhandwerk als Ausbildung für ihre Kinder?

Ein Großteil der Eltern und Lehrer assoziieren den Beruf immer noch mit Mindestlohn. Wie oft musste ich mir anfänglich den Spruch anhören „Mit dem Beruf verdienst Du nichts“. Das entspricht aber nicht den Tatsachen. Wie in jedem anderen Beruf liegt die Antwort auf die Frage „Wie viel man verdienen kann“ beim Fakt „Wie viel ist man bereit, sich einzubringen?“. Klar ist, wer nur seine Stunden abreißt, an Weiterbildungen nicht interessiert ist und auch sonst nur halbherzig dem Beruf nachgeht, wird in jeder Branche kaum Erfolg haben und dementsprechend weniger verdienen als andere.

Wie kann man dieser Ignoranz am besten begegnen?

Eine Strategie habe ich dafür ehrlich gesagt nicht. Es ist ein Aufklärungsprozess, der Zeit braucht, um ganz aus den Köpfen zu verschwinden. Ich habe der Schule erst einmal eine E-Mail geschrieben, in der ich klar und deutlich meinen Missmut gegenüber den Äußerungen der Lehrkörper zum Ausdruck gebracht habe. Daraufhin hat man sich entschuldigt. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt trotzdem.

Welche Gründe siehst Du für einen jungen Menschen, eine Ausbildung als Friseur zu beginnen?

Erstens ist es ein sehr vielseitiger und abwechslungsreicher Beruf, wo man stets etwas Neues lernen kann. Zweitens kommt man viel in der Welt umher. Zumindest ist das bei mir so. Als Trainerin bin ich viel unterwegs und lerne Land und Leute kennen. Theoretisch könnte ich jedes Wochenende auf eine andere Fortbildung gehen. Kein Beruf schenkt einem so viel Flexibilität und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Hand aufs Herz, ist das Friseurhandwerk ein Beruf mit Zukunft?

Absolut! Der Friseurberuf kann durch nichts ersetzt werden. Zurzeit trennt sich die Spreu vom Weizen und viele der (Billig-)Salons, die in der Vergangenheit wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, machen dicht. Es ist die Zeit der Unternehmerfriseure mit Herz – reine  Herzensfriseure ziehen leider den Kürzeren. Krisensicher ist nur der, der seine Preise richtig kalkuliert. In unserer Branche machen das leider viel zu wenige.

Alexandra Simon-Teckhaus weiß wie viele Chancen der Friseurberuf für junge Leute bietet.

Meine Mama ist für mich mein größtes Vorbild!

Lilli, warum möchtest Du Friseurin werden?

Noch bevor wir unsere Potentialanalyse in der achten Klasse hatten, stand für mich fest, dass mein Beruf abwechslungsreich und kreativ sein sollte. Ich wollte später einen Beruf ausüben, wo ich sagen kann: „Das hab ich gemacht!“. Folglich stand fest, dass sich meine Zukunft in der Handwerksbranche befindet. Unter den zahlreichen Möglichkeiten im Handwerk stach dann der Friseurberuf mit seiner facettenreichen Art heraus. Man ist nicht nur Friseurin, sondern auch eine gute Freundin oder der Schlüssel zu einem Lächeln auf dem Gesicht eines Mitmenschen. Es gibt für mich wahrlich nichts Schöneres als einen glücklichen Menschen.

Welche Erwartungen hast Du ans Handwerk?

Die wohl größte Erwartung, die ich habe, ist, dass mir der Beruf auch nach 40 Jahren noch Spaß macht. Ich möchte nicht nur jeden Morgen aufstehen und mich aufs Schaffen freuen, sondern die Zeit als aktive Friseurin genießen. Das ich dabei zahlreiche Weiterbildungschancen, die das Handwerk bietet, nicht auslassen werde, ist selbstverständlich.

Welche Rolle spielt Deine Mutter und ihre Karriere bei Deiner Berufswahl?

Meine Mama ist für mich mein größtes Vorbild! Sie lässt die komplexesten Techniken so einfach aussehen und gibt mir das Gefühl, alles sei möglich, solange ich daran glaube. Sie hat nicht nur der Welt draußen  gezeigt, dass ein so scheinbar „unattraktiver“ Beruf Karrierechance und Erfolg ohne Ende bietet, sondern auch mir! So, wie meine Mama sich ihren Erfolg erarbeitet hat, möchte ich das auch!

Wie steht es eigentlich um den Friseur-Beruf? Mehr zum Thema: „Traumberuf Friseur?“

Lilli Simon-Teckhaus gehört zu den wenigen Schulabgängern, die wissen, was sie beruflich möchten!
6. März 2023In BusinessVon Judith Lorenzon